Viel zu wenig grün: In Dresden fehlen 25.000 Bäume

Am Postplatz wurden Ende Februar zehn Platanen und Götterbäume gefällt.
Am Postplatz wurden Ende Februar zehn Platanen und Götterbäume gefällt.

Von Dominik Brüggemann

Dresden - Dresdens Straßenbäume in Gefahr? Genau 52.095 stehen laut Statistikstelle an Rändern der Haupt- und Nebenstraßen. Dabei sollten es eigentlich viel, viel mehr sein.

Bis Dresden dieses Ziel erreicht, dürfte es noch dauern. Für die Pflanzung und Pflege der Dresdner Bäume stehen jährlich nur 400.000 Euro zur Verfügung.

Im vergangenen Jahr gingen davon allein 32.000 Euro für Baumgutachten für 42 Bäume drauf. Fünf dieser Bäume fielen dann der Kettensäge zum Opfer.

Dabei sieht das Straßenbaumkonzept der Stadt bis zu 77 400 Bäume vor - knapp 25.000 mehr als bisher. Pro Jahr lässt die Stadt gerade mal 200 neue Bäume pflanzen - einer davon schlägt mit rund 1500 Euro zu Buche.

Wenn sie so weiter macht, hätte Dresden sein Baumplanziel in 125 Jahren erreicht...

Baum ab am Postplatz

Am Postplatz soll auf dem Gelände gebaut werden. Deshalb mussten die Bäume weichen.
Am Postplatz soll auf dem Gelände gebaut werden. Deshalb mussten die Bäume weichen.

Am Postplatz setzten Mitarbeiter des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft zuletzt sechs neue Bäume in die Erde. Auf der Pflasterfläche sollen sie künftig für mehr Grün sorgen.

Doch gleichzeitig fällte Ende Februar der Investor „Investor „Fay Invests“ sieben Platanen und drei Götterbäume am Postplatz / Ecke zur Wallstraße.

„Der Investor hat die Fällungen beantragt, um die erforderlichen Vorarbeiten auf seinem Baufeld demnächst durchführen zu können“, so Kai Schulz, Sprecher der Stadt Dresden. Dafür habe der Investor eine Ersatzzahlung in Höhe von 215.000 Euro an die Stadt geleistet.

Das Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft wird davon mehr als 80 Straßenbäume im Stadtgebiet pflanzen lassen.

Bürger retteten fünf Kastanien

Ein Anwohner hatte die Fällarbeiten gestoppt.
Ein Anwohner hatte die Fällarbeiten gestoppt.

Am Stresemannplatz in Striesen wollte das Amt für Stadtgrün im vergangen Oktober insgesamt vierzehn Kastanien fällen. Die Ankündigung kam nur einen Tag vorher, überraschte die Anwohner und brachte einen von ihnen sprichwörtlich auf die Palme.

Der Anwohner stoppte die Fällaktion, handelte eine Überprüfung der Bäume aus.

Die Stadt ließ Gutachten erstellen. Ergebnis: Fünf Bäume können tatsächlich noch fünf bis zehn Jahre stehen bleiben. Die Stadt hatte allerdings sechs Bäume bereits umgesägt.

Immerhin: 20 junge Kastanien sollen den Platz künftig wieder aufhübschen.

Am Stresemannplatz in Striesen fällte die Stadt Bäume und pflanzt 20 neue Kastanien.
Am Stresemannplatz in Striesen fällte die Stadt Bäume und pflanzt 20 neue Kastanien.
Detlef Thiel, Leiter des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft.
Detlef Thiel, Leiter des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft.

Nur eine Eibe durfte bleiben

Günter Kahle, Geschäftsführer der AWV-Gruppe, beim Baustart des Bildungscampus am Straßburger Platz.An der Akademie für Berufliche Bildung am Straßburger Platz wurden einige Bäume gefällt, dieser blieb erhalten.
Günter Kahle, Geschäftsführer der AWV-Gruppe, beim Baustart des Bildungscampus am Straßburger Platz.An der Akademie für Berufliche Bildung am Straßburger Platz wurden einige Bäume gefällt, dieser blieb erhalten.

Wo gehobelt wird, da fallen Späne. So auch am künftigen Bildungscampus der AWV-Gruppe am Straßburger Platz. Auf dem Grundstück an der Ecke Grunaer Straße und Güntzstraße mussten einige Bäume gefällt werden.

Eine mehrere Meter hohe Eibe blieb aus Schutzgründen stehen, das Bauvorhaben eigens für den Baum angepasst.

Gestern starteten die Bagger mit dem Erdaushub für das 20-Millionen-Vorhaben. Gegenüber am künftigen Einkaufszentrum stand übrigens bis zum Sommer 2014 auch eine Eibe. Die wurde illegal gefällt, obwohl sie nicht im Wege stand.

Das Amt für Stadtgrün konnte damals keinen Schuldigen ausfindig machen.

Günter Kahle, Geschäftsführer der AWV-Gruppe, beim Baustart des Bildungscampus am Straßburger Platz.
Günter Kahle, Geschäftsführer der AWV-Gruppe, beim Baustart des Bildungscampus am Straßburger Platz.

Fotos: Steffen Füssel (2), Thomas Türpe (3), Christian Essler/xcitepress,Petra Hornig, Eric Münch


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