Kohle-Ausstieg beschlossen, doch welches Kraftwerk ist als Erstes dran?

Dresden/Berlin/Bautzen - Raus aus der Braunkohle! Die Empfehlung der "Kohlekommission" ist unmissverständlich, jetzt geht es um Details. Dazu gehört die Abschaltung der Kraftwerke.

Sachsens Energieminister Martin Dulig (44, SPD)
Sachsens Energieminister Martin Dulig (44, SPD)  © dpa/Sebastian Kahnert

"In den kommenden Tagen wird die Landesregierung Gespräche mit den Kraftwerksbetreibern aufnehmen, um mit ihnen die Ergebnisse auszuwerten", sagt Sachsens Energieminister Martin Dulig (44, SPD).

Laut Beschluss der Kohlekommission soll das letzte deutsche Braunkohlekraftwerk 2038 vom Netz gehen, die ersten bis 2022.

Zurzeit gibt es in der Lausitz drei (Schwarze Pumpe, Boxberg, Jänschwalde) und im Mitteldeutschen Revier Lippendorf, Schkopau, Deuben und Wählitz. Die Reviere reichen bis Brandenburg und Sachsen-Anhalt.

Sie gehören der Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH, MIBRAG, oder der Lausitz Energie Bergbau AG, LEAG.

"MIBRAG und LEAG sollen nachhaltige Energieunternehmen werden" - so viel steht für Dulig schon fest.

Das Kraftwerk Boxberg. Eine Idee für die Nachnutzung lautet: Einbau von Technologie zur Energieerzeugung mit Gas.
Das Kraftwerk Boxberg. Eine Idee für die Nachnutzung lautet: Einbau von Technologie zur Energieerzeugung mit Gas.  © imago/ALIMDI.NET/Arterra/Sven-Erik

Doch es besteht Redebedarf. Denn bei der LEAG-Konzernspitze herrscht Skepsis: Bliebe es bei 2038, "würde dies unser Revierkonzept, das bis über 2040 hinausreicht, ernsthaft infrage stellen", sagte Vorstands-Chef Helmar Rendez (56) am Wochenende. "Der von uns eingeforderte Planungshorizont für den Betrieb der Tagebaue und Kraftwerke im Lausitzer Revier ist damit nicht gegeben."

Auch die MIBRAG wettert: "Der vorzeitige Ausstieg aus der Braunkohleverstromung ist ein harter Schlag für die Region, unser Unternehmen und unsere Mitarbeiter", so Boss Armin Eichholz.

Bei MIBRAG arbeiten direkt 1860 Mitarbeiter, in der MIBRAG-Gruppe sind insgesamt 2 660 Mitarbeiter beschäftigt. Im Lausitzer Revier hängen laut Bundesverband Braunkohle 8 600 Jobs an Kohle und Kraftwerken. Da wie dort gibt es zudem Tausende abhängig beschäftigte Betriebe.

Hoffnung auf erste konkretere Aussagen setzen alle Seiten auf die sogenannte Kanzleramtsrunde zum Thema am Freitag.

 Die Vorstandsmitglieder der Kohlekommission präsentieren ihre Vorschläge: Sachsens ehemaliger Ministerpräsident Stanislaw Tillich (59, v.l.), Umweltforscherin Barbara Praetorius von der HTW Berlin und Bahnvorstand Ronald Pofalla (59).
Die Vorstandsmitglieder der Kohlekommission präsentieren ihre Vorschläge: Sachsens ehemaliger Ministerpräsident Stanislaw Tillich (59, v.l.), Umweltforscherin Barbara Praetorius von der HTW Berlin und Bahnvorstand Ronald Pofalla (59).  © dpa/Jörg Carstensen
Die Aktivisten von Greenpeace demonstrieren gegen die Vernichtung ganzer Ortschaften zugunsten des Tagebaus.
Die Aktivisten von Greenpeace demonstrieren gegen die Vernichtung ganzer Ortschaften zugunsten des Tagebaus.  © Jens Trenkler/dpa

Titelfoto: imago/ALIMDI.NET/Arterra/Sven-Erik, Jörg Carstense

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