Verbände entsetzt! Arbeitslose sollen Stütze an der Supermarkt-Kasse bekommen

Stütze auszahlen an der Supermarkt-Kasse - nach Ansicht von Sozialverbänden könnte das zu einer Stigmatisierung der Leistungsempfänger führen.
Stütze auszahlen an der Supermarkt-Kasse - nach Ansicht von Sozialverbänden könnte das zu einer Stigmatisierung der Leistungsempfänger führen.  © Grabowsky

Dresden/Berlin - Die Idee klingt gut: Arbeitslose, die Geld brauchen, müssen ab 2018 nicht mehr aufs Amt. Sie können einen Notgroschen oder Vorauszahlungen auch an der Supermarkt-Kasse abholen (TAG24 berichtete). Doch dagegen regt sich Widerstand.

So fragt der Arbeitslosenverband Sachsen, ob diese Änderung mit dem Datenschutz und der Fürsorgepflicht des Staates gegenüber den Schwächsten in der Gesellschaft vereinbar ist. Vorstand Brigitte Schneider sagt mit Blick auf vorgeblich zu hohe Bankgebühren, die die Arbeitsagenturen damit an ihren hauseigenen Kassenautomaten einsparen sollen: "Das Arbeitsamt könnte ja auch einen günstigeren Vertrag mit der Bank aushandeln."

Noch deutlicher wird der Deutsche Caritasverband: Die Suche nach einem effizienteren Weg für die Auszahlung von Bargeld sei legitim, so eine Sprecherin.

Die Kassenzone eines Supermarktes zählt nicht gerade zu den Orten höchster Diskretion.
Die Kassenzone eines Supermarktes zählt nicht gerade zu den Orten höchster Diskretion.

"Die Idee jedoch, Kassen in Supermärkten zu nutzen, zeugt von wenig Einfühlungsvermögen. Selbst eine neutrale Gestaltung der Auszahlungsscheine wird nicht verhindern, dass dies eine peinliche Situation ist für die Betroffenen, die im öffentlichen Raum ihre Not zeigen müssen." Die Bundesanstalt für Arbeit sei daher dringend gefordert, andere Wege zu finden, die verhindern, dass Menschen stigmatisiert werden.

Die Diakonie Sachsen macht sich in der Sache die Meinung der Nationalen Armutskonferenz zu eigen, die die Pläne ebenfalls kritisiert. "Ein solches Verfahren trägt zur weiteren Stigmatisierung von Leistungsberechtigten bei, die sich vor den Augen von Kunden und Kassierern als erwerbslos outen müssten", so Barbara Eschen, Sprecherin der Konferenz. "Sie haben aber ein Recht auf Diskretion. Diese zu gewährleisten ist eine staatliche Aufgabe - und nicht die von Drogeriemärkten oder Discountern."

Hintergrund: Die Pläne sehen vor, dass Leistungsberechtigte zukünftig im Supermarkt einen Barcode-Zettel vorlegen müssen. Den Zettel sollen sie voraussichtlich weiterhin persönlich beim Jobcenter abholen


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0