Standing Ovations zum Abschied: Das Ende des ewigen Ministers

Zum Abschied Standing Ovations seiner CDU: Dauerminister Thomas de Maizière (64, CDU) wird der neuen Bundesregierung nicht mehr angehören. Nicht ganz freiwillig.
Zum Abschied Standing Ovations seiner CDU: Dauerminister Thomas de Maizière (64, CDU) wird der neuen Bundesregierung nicht mehr angehören. Nicht ganz freiwillig.  © dpa/Ralf Hirschberger

Dresden/Berlin - Standing Ovations gab es Montag beim CDU-Bundesparteitag für den scheidenden Bundesinnenminister Thomas de Maizière (64, CDU). Es ist das Ende einer Ära - im neuen Kabinett ist kein Platz mehr für ihn. Ein heftiger Schlag auch für Sachsen und die hiesige CDU, die damit in Berlin an Einfluss verliert.

Für Sachsens CDU-Generalsekretär Alexander Dierks (30) ist die Personalie eine "bittere Pille". Auch andere sächsische Parteifreunde sehen das als "echtes Problem". Das Bundesinnenministerium geht künftig an die CSU. Und de Maizière sagt: "Etwas anderes kam für mich nicht infrage."

Trotzdem ist spürbar, wie ungern er sich vom Amt trennt. Nachdem er erst still hielt, kritisiert er nun den geplanten Zuschnitt des Ministeriums und zweifelt die Eignung seines Nachfolgers Horst Seehofer (68, CSU) an. Es überwiege aber das Gefühl der Dankbarkeit und des Stolzes.

De Maizière bleibt zwar Bundestagsabgeordneter für den Kreis Meißen, aber der große Einfluss, den er und damit indirekt auch die Sachsen-CDU jahrelang am Kabinettstisch hatte, ist dahin.

Jahrelang war der Wahl-Sachse ein gefragter Mann im politischen Berlin, verfügte über viel Einfluss.
Jahrelang war der Wahl-Sachse ein gefragter Mann im politischen Berlin, verfügte über viel Einfluss.  © dpa/Bernd von Jutrczenka

Er war Merkels loyaler Mann für alle Fälle - sie hatte ihn 2005 als Kanzleramts-Chef nach Berlin geholt, dann wurde er Verteidigungs- und schließlich Innenminister. Wo er durchaus auch mal ins Straucheln geriet, etwa in der Flüchtlingskrise.

"Ich war zwölf Jahre lang Bundesminister, das gibt es nicht allzu oft", so de Maiziére, Spross einer Polit-Dynastie. Das alles, nachdem er in Sachsen über sieben Jahre Chef der Staatskanzlei, Finanz-, Justiz- und Innenminister war.

Nicht nur einmal hätte er sächsischer Ministerpräsident werden können: Als Nachfolger von Georg Milbradt (73, CDU) und zuletzt nach dem Rücktritt von Stanislaw Tillich (58, CDU). Doch er winkte immer ab: "Mein Platz ist in Berlin."

Jetzt kommt es anders - doch um ihn müsse sich keiner Sorgen machen, so de Maizière.

Thomas de Maizière könnte jetzt sächsischer Ministerpräsident sein - doch er wollte nicht, ließ Michael Kretschmer (42, CDU) den Vortritt.
Thomas de Maizière könnte jetzt sächsischer Ministerpräsident sein - doch er wollte nicht, ließ Michael Kretschmer (42, CDU) den Vortritt.  © Eric Münch
Jahrelang saß Thomas de Maizière am Berliner Kabinettstisch - hier 2006 als Kanzleramts-Chef von Angela Merkel (63, CDU).
Jahrelang saß Thomas de Maizière am Berliner Kabinettstisch - hier 2006 als Kanzleramts-Chef von Angela Merkel (63, CDU).  © dpa/Steffen Kugler

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