Das sagen die DVB zu den Tür-Fallen in Bussen und Bahnen

Die Türen der Straßenbahnen schließen schneller, als manchem Fahrgast lieb ist.
Die Türen der Straßenbahnen schließen schneller, als manchem Fahrgast lieb ist.

Von Stefan Ulmen

Dresden - Schließen die Türen von Bus und Bahn bei den Dresdner Verkehrsbetrieben zu schnell?

Das sorgte für große Diskussionen unter den MOPO-Lesern. Nachdem wir über mehrere Fälle berichtet hatten, gab es zahlreiche Reaktionen.

Wie die Staatsanwaltschaft auf Anfrage erklärte, ist der Fall von Edith M. (89) dort noch in Arbeit. Es wird wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen einen Straßenbahnfahrer ermittelt, so ein Sprecher. Die Seniorin war nach Angaben ihres Sohnes am Schillerplatz in eine Tür eingeklemmt und sechs Meter weit mitgeschleift worden.

Zahlreiche Zuschriften an die Redaktion berichteten von eingeklemmten Passagieren, Kinderwagen oder Rädern.

DVB-Sprecher Falk Lösch (50) verwies erneut auf die drei Sicherungssysteme und erklärte: „Das sind EU-Vorschriften, wir liegen darunter. Heißt: Unsere Systeme sind empfindlicher eingestellt. Und wenn der Verdacht besteht, dass technisch etwas nicht funktioniert haben könnte, wird das untersucht.“

Die MOPO-Anfrage nach einem Praxistest (beispielsweise in einem Betriebshof) lehnte er ab.

Leserbriefe zum Thema:

Leserbriefe.
Leserbriefe.

„Manche Busfahrer verlassen sich nur auf die Technik“

Manche Bustüren schließen wesentlich eher als nach „nur“ 4 Sekunden. Da sind die Fahrgäste ausgestiegen, man setzt gerade seinen Fuß in den Bus und die Tür beginnt schon wieder mit dem Schließvorgang. - Falk Lehmann

"Kenne ich ..."

Diese Erfahrung musste ich schon zweimal machen. Mein Glück war in dem Moment nur, dass ich im Elektrorollstuhl sitze und mich dieser vor Einklemmung in der Tür schützte. - K. Just

Ich wollte an der Haltestelle Niederseidewitzer Weg aus dem Bus steigen. Meine Tochter war etwa 3 Wochen alt, und der Bus hätte meinen Kinderwagen fast eingeklemmt! Dabei knallte dieser hart auf den Fußweg. Glücklicherweise ist nichts passiert. Aber es hätte auch ganz anders ausgehen können. - Marie Heinzelmann

Diese Erfahrung hat meine 88-jährige gehbehinderte Mutter bereits mehrfach mit der Straßenbahn gemacht und wurde dabei auch schon mal fast eingequetscht. Seitdem hat sie Angst mit der Bahn zu fahren. Als ich einen Straßenbahnfahrer daraufhin absprach, bekam ich zur Antwort: „Das ist aus Umweltgründen so, dass die Tür automatisch nach 3 Sekunden zugeht.“ Gut, dass Sie sich dem Thema annehmen. Wäre schön, wenn seitens der DVB sich da etwas tut. - Martina Neumann

"Erst wenn was Schlimmeres passiert, wird gehandelt ...!"

Die DVB wird erst handeln wenn etwas Schlimmeres passiert oder der mediale Druck größer wird. Was sehr auffällig ist, manche Busfahrer verlassen sich nur auf die Technik. Sonst würde sich nicht erklären lassen, dass es bei manchen Fahrten (ich sitze täglich fast zwei Stunden in den Fahrzeugen der DVB), nicht nur einmal passiert. - Sven Sowart

Achtung, Tür schließt!

Kommentar von Stefan Ulmen

Das Thema kommt daher wie aus der Schublade „Sommerloch“ - doch dafür ist es viel zu ernst: Die Beschwerden der DVB-Fahrgäste über zu schnell schließende Türen bei Bussen und Bahnen müssen ernst genommen werden.

Das zeigen sowohl Zahl als auch Beispiele der Schilderungen von Lesern, die die MOPO in den letzten Tagen erreichten. Wer weiß, wie viele Vorkommnisse es noch gab? Die im Alltagstrubel untergingen und deshalb nicht als Beschwerde eingereicht wurden?

Die DVB mögen argumentieren, dass sie täglich knapp 500 000 und im gesamten Jahr rund 53 Millionen Passagiere befördern. Und dass ein paar Dutzend (veröffentlichte) Kritiken dagegen doch sehr wenig sind. Dennoch macht es mich sehr nachdenklich, dass ein DVB-Kunde, der mehr als zwei Stunden am Tag in den Fahrzeugen verbringt, solche Vorfälle fast täglich erlebt, wie er schreibt. Zwar werden diese von Seiten des Unternehmen bedauert - doch muss erst, wie einer der Leser fragt, „etwas Schlimmes“ passieren, bevor die DVB handeln?

Diesem schwierigen Thema kann ich nur eine positive Seite abgewinnen: Wir alle sollten beim Ein- und Aussteigen in Bussen und Bahnen besonders gut aufpassen - auf uns selbst, aber vor allem auf unsere Mitmenschen, die körperlich eingeschränkt sind.

Fotos: Eric Münch, privat


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