Der irre Kunst-Coup: Wie die Beton-Vagina in die Ausstellung gelangte

Dresden - Der Kunst-Schmuggel auf der Ostrale: Lange herrschte Rätselraten über das mysteriöse Werk - und wie es unbemerkt auf die bewachte Ausstellung gelangen konnte. Jetzt äußern sich die Macher zu ihrem Coup.

Ostrale-Kunstvermittlerin Paula Letalik (28) mit dem rätselhaften Schmuggel-Kunstwerk aus Beton.
Ostrale-Kunstvermittlerin Paula Letalik (28) mit dem rätselhaften Schmuggel-Kunstwerk aus Beton.  © Thomas Türpe

Plötzlich hatte die dicke Beton-Platte (10 Kilo schwer, 65 Zentimeter hoch) inmitten anderer Ausstellungsstücke (TAG24 berichtete) gestanden.

Die Ostrale-Veranstalter beeindruckt, sprachen sogar von einem "doppelt künstlerischen Akt", für Werk und Schmuggel-Aktion. Die zwei Künstler der Gruppe "BetonundZucker" wollen anonym bleiben:

"Wir sind ein Zusammenschluss von rund einem Dutzend Kreativen aus dem Raum Dresden, treffen uns regelmäßig, besuchen Ausstellungen, machen Performance-Aktionen." Der Schmuggel ihre Premiere! Das Werk schufen sie aus flüssigem Beton, nutzten für den Abdruck einen speziellen Stempel.

"Es soll das weibliche Geschlecht darstellen. Weiblichkeit und Geburt als Ursprung, wo wir alle herkommen", erklären sie philosophisch.

Dann ließen sie sich vom britischen Streetart-Künstler "Banksy" inspirieren, der bereits Bilder in Museen schmuggelte. Die Ostrale-Aktion sei spontan gelaufen. "Wir kannten die Räumlichkeiten nicht. Wussten aber, dass wir keine Taschen mit rein nehmen dürfen. Schnell kam uns der Rollstuhl in den Sinn", verrät einer der Schmuggler.

"Ich setzte mich hinein, hinterm Rücken war das Beton-Werk mit einer Decke versteckt." Vor Ort an der alten f6-Zigarettenfabrik in Striesen beinahe der Abbruch: "Der Zugang war nicht barrierefrei. Ein Mitarbeiter fuhr aber dann mit uns im Lastenaufzug hoch zur Ausstellung." In einem günstigen Moment enthüllten und platzierten sie dann ihr Vagina-Werk.

Schaden will die Gruppe niemanden, auch nichts konkretes bezwecken. "Wir warten ab, was passiert." Dass die verblüfften Ostrale-Veranstalter das Schmuggel-Werk nun sogar ausgestellt lassen wollen, freut die Künstler. "Wir wollen ihnen noch den genutzten Stempel als Pendant anbieten." Auch soll es künftig weitere Aktionen geben.

Mittels eines Rollstuhls hatten die Künstler, die zur Gruppe "BetonundZucker" gehören, das Beton-Werk auf die Ostrale geschmuggelt.
Mittels eines Rollstuhls hatten die Künstler, die zur Gruppe "BetonundZucker" gehören, das Beton-Werk auf die Ostrale geschmuggelt.  © BetonundZucker

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