Nach Bluttat in Halle: Sachsens Innenminister Wöller ruft zu Versammlung auf

Dresden - Die rechtsextremistische Bluttat von Halle hinterlässt auch Spuren in Sachsen. Die jüdischen Einrichtungen stehen bis auf weiteres unter verstärktem Polizeischutz. Viele sächsische Juden sorgen sich um ihre Sicherheit.

Innenminister Roland Wöller (49, CDU) besuchte am Donnerstag eine jüdische Gemeinde in Dresden.
Innenminister Roland Wöller (49, CDU) besuchte am Donnerstag eine jüdische Gemeinde in Dresden.  © Thomas Türpe

Seit Mittwochmittag werden alle 34 jüdischen Einrichtungen in Sachsen, darunter Gemeinden und Friedhöfe, von deutlich mehr Polizisten bewacht, so Landespolizeipräsident Horst Kretzschmar (59).

Bauliche Bedingungen der Einrichtungen sollen nun mit Blick auf die Sicherheit nochmal auf den Prüfstand. Die Sicherheit wurde zuletzt im Mai überprüft - angeordnet von Innenminister Roland Wöller (49, CDU).

Die Terrortat am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur verunsichert sächsische Juden massiv. Der Dresdner Rabbiner Akiva Weingarten (34) schildert, wie er von dem Anschlag erfuhr:

"Ich habe davon zunächst nichts gehört, wir hatten Gottesdienst bis ungefähr zwei Uhr. Nach einer Pause sollten wir um 17 Uhr fortsetzen. Dann habe ich die Polizei gesehen, bewaffnet. Die Mitglieder waren natürlich sehr verzweifelt, sehr ängstlich. Ich glaube, viele sind nicht gekommen, weil sie Angst hatten."

Er habe den Gläubigen gesagt, wenn sie ihr jüdisches Leben nicht fortsetzten, habe der Täter in Halle gesiegt.

Versammlung vor Dresdner Synagoge geplant

 Der Dresdner Rabbiner Akiva Weingarten (34).
Der Dresdner Rabbiner Akiva Weingarten (34).  © Thomas Türpe

Die Vorsitzende der jüdischen Gemeinden in Sachsen, Nora Goldenbogen (70): "Wir haben seit Jahren gemerkt, dass Rechtsextremismus stärker wird. Es ist etwas, was man sehen konnte, wenn man es sehen wollte. Ich spitze zu: Es war nur eine Frage der Zeit, bis etwas passierte."

Leider würden viele weggucken. Das Gemeindeleben soll normal weitergehen. Aber: "Wir müssen gucken, wie wir mit der Angst unserer Mitglieder umgehen."

Auch die jüdische Gemeinde in Leipzig (1250 Mitglieder) ist geschockt. Am Ariowitsch-Haus (Zentrum jüdischer Kultur) fahren stündlich Streifen vorbei, seit Jahren. Offenbar reiche das nicht, so Küf Kaufmann (72), Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig: "Das gesamte Sicherheitskonzept muss erneuert werden."

Die Dresdner Polizei sprach mit Blick auf die Sicherheit von einer Neuausrichtung, insbesondere für die Synagoge. Bei größeren Veranstaltungen werde die Polizei die Lage beurteilen, dann über Maßnahmen entscheiden.

Wöller kündigte nach einem Gespräch mit Goldenbogen und Kretzschmar an, für den morgigen Freitag um 18 Uhr eine Versammlung vor der Dresdner Synagoge anzumelden, um ein "deutliches Zeichen" zu setzen. Er forderte die Menschen auf, es in Chemnitz und Leipzig gleichzutun. "Angriffe auf jüdisches Leben sind Angriffe auf uns alle."

Landespolizeipräsident Horst Kretzschmar (59) war ebenfalls vor Ort.
Landespolizeipräsident Horst Kretzschmar (59) war ebenfalls vor Ort.  © Thomas Türpe

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