Danke für einen Bombenjob! Chef-Entschärfer sagt Tschüß

Das Zigarettchen war immer mit dabei: Nach gelungener Bombenentschärfung heißt es erst einmal wieder tief durchatmen.
Das Zigarettchen war immer mit dabei: Nach gelungener Bombenentschärfung heißt es erst einmal wieder tief durchatmen.  © Ellen Liebner

Dresden - Ein halbes Leben machte er einen Bomben-Job. Jetzt verabschiedet sich Sachsens Chef-Sprengmeister Thomas Lange (66) in den (Un)-Ruhestand! Nach 29 scharfen Jahren und nach Ablauf der zweiten Dienst-Verlängerung sagt er heute mit einem lachenden und einem weinenden Auge "Tschüss".

Wenn Lange auftauchte, war Bombenstimmung garantiert. Fliegerbomben in der Dippser Heide oder auf Baustellen im Stadtzentrum von Dresden, aber auch Kurioses war dabei:

Wie eine Kanone, die über 50 Jahre lang als Halterung für eine Wäscheleine diente.

Thomas Lange, studierter Maschinenbauer und seit 1987 bei der Munitionsbergung der Polizei, behielt stets einen kühlen Kopf und entschärfte das Problem.

Das war Langes Job: Hier ließ er in Radebeul einen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg in die Luft gehen.
Das war Langes Job: Hier ließ er in Radebeul einen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg in die Luft gehen.  © Jörn Haufe

So richtig hat er seine Bombenentschärfungen nie nachgerechnet, zählte für ihn doch immer nur die Bombe, die gerade direkt vor ihm lag, wie er zu sagen pflegte.

Dennoch: "Ich schätze, so insgesamt 366 waren es", sagt er. Wie scharf sein Job wirklich war, hat er oft erst hinterher realisiert: "Ab und zu gab es Highlights, da dachte ich im Nachhinein, das hätte man vielleicht doch anders machen sollen." Doch es ging immer gut. Thomas Lange weiß warum: „Ich hatte das notwendige Quäntchen Glück, das man wohl braucht.“

Der Vater dreier Kinder dachte nie daran, seinen gefährlichen Job aufzugeben: "Es war ein Gebiet, was mich richtig gefesselt hat." Seine Frau „lernte, damit zu leben“. Doch dass es im Hause Lange nun langweilig werden könnte, ist nicht geplant:

"Mit dem Wort Rentner kann ich mich einfach nicht anfreunden", sagt Lange. Für ihn steht fest, dass er sich "neue Aufgaben" suchen wird.

"Angebote aus der Branche gibt es schon", verrät der Experte. Auf eine Sache im entschärften Leben freut er sich aber doch: "Ich werde nicht mehr täglich um 4.15 Uhr früh aufstehen."

2013 entschärfte das Kampfmittelbeseitigungs-Team in der Dippser Heide elf amerikanische Fliegebomben aus dem Zweiten Weltkrieg.
2013 entschärfte das Kampfmittelbeseitigungs-Team in der Dippser Heide elf amerikanische Fliegebomben aus dem Zweiten Weltkrieg.  © DPA

Langes Schärfstes Ding! Elf auf einen Streich

Bombige Zeiten erlebte Thomas Lange (66) als Chef des sächsischen Kampfmittelbeseitigungsdienstes ein Arbeitsleben lang. Die letzte große Bombe entschärfte der Experte Anfang Oktober in Dresden: Es war eine 250 Kilo schwere englische Fliegerbombe, die Bauarbeiter in Räcknitz freigelegt hatten.

Zur „zweiten Heimat“ wurde dem Experten seit November 2013 die Dippser Heide: Damals entschärfte Lange hier elf Bomben gleichzeitig. Seitdem rückten die Kampfmittelbeseitiger immer wieder aus. Im Sommer entschärften sie dort zuletzt 62 Granaten.

Im "Bombenjahr" 2013 rückte das Kampfmittelbeseitigungs-Team allein über 800-mal aus.

"Ich bin sehr zuversichtlich, was meine Nachfolge angeht", sagt Lange. Die wird sich in Zukunft auf mehrere Schultern verteilen.


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