Er befahl die Bombardierung Dresdens

Nach den Bombenangriffen am 13. und 14. Februar liegt Dresden in Schutt und Asche.
Nach den Bombenangriffen am 13. und 14. Februar liegt Dresden in Schutt und Asche.  © DPA

Dresden - Wenn sich die Bombardierung Dresdens morgen zum 72. Mal jährt, ist ein Name damit untrennbar verbunden: "Bomber-Harris", wie der Oberbefehlshaber des britischen Bomberkommandos, Arthur Harris, genannt wurde. Über Dresden sagte er noch in den 1970er-Jahren: "Wenn ich müsste, würde ich es wieder tun. Aber ich hoffe, dass ich es nicht muss."

Schon im Ersten Weltkrieg war Arthur Travers Harris als Pilot erfolgreich.

1918 trat er als Berufsoffizier in die neu gegründete Royal Air Force (RAF) ein.

Er machte unauffällig Karriere. Kurz vor Kriegsbeginn 1939 erreichte er als Air Vice Marshal den untersten Rang in der RAF. Anfangs richteten sich seine Einsätze gegen aufständische Dörfer in britischen Kolonien.

Im Irak ließ Harris Wohnhäuser in Dörfern bombardieren. Dort verfeinerte er die Technik der Luftkontrolle. Seinen Vorgesetzten soll er geschrieben haben:

Kinder aus der Grafschaft Kent im Südosten Englands finden Schutz in einem Graben.
Kinder aus der Grafschaft Kent im Südosten Englands finden Schutz in einem Graben.  © Imago

"Araber und Kurden lernten nun, dass in 45 Minuten ein ganzes Dorf ausgelöscht und ein Drittel der Bewohner getötet und verwundet werden kann."

„Butcher“, also Schlächter, wurde Harris später von seinen Männern in der RAF genannt. Auch 55. 000 Piloten und Navigateure mussten bei den Angriffen im Zweiten Weltkrieg ihr Leben lassen.

Etwa jeder Zweite kam nicht zurück. Am 22. Februar 1942 wurde Harris zum Oberbefehlshaber des Bomberkommandos der britischen Luftwaffe. Wenige Tage zuvor gab das britische Luftfahrtministerium am 14. Februar mit der Generaldirektive Nummer 5 die Anweisung zur Flächenbombardierung.

Harris sollte das NS-Regime zum Aufgeben zwingen. Ziel war es, den Lebens- und Verteidigungswillen der Bevölkerung zu brechen. Die Angriffe steigerten jedoch den Drang zum Durchhalten. Harris‘ Wirken war daher unter den Alliierten umstritten.

Mit eiserner Hand setzte er die Strategie des Flächenangriffs um. Er perfektionierte diese Technik in zuvor unvorstellbarer Weise. Seine Stäbe suchten jene Städte aus, die sich am leichtesten aus der Luft "anzünden" ließen. Seine Piloten lernten, ihre tödliche Fracht exakt in die engbebauten mittelalterlichen Innenstädte abzuwerfen.

Sir Arthur Travers Harris: Der Oberbefehlshaber des Royal Bomber Command agierte mit mörderischer Konsequenz und eiserner Zielstrebigkeit.
Sir Arthur Travers Harris: Der Oberbefehlshaber des Royal Bomber Command agierte mit mörderischer Konsequenz und eiserner Zielstrebigkeit.  © Imago

Zuerst landeten Lübeck, Rostock und Köln auf seinem Sündenregister.

In Hamburg „gelang“ 1943 eine weitere „Premiere“: Bei der "Operation Gomorrha" verglühten 40.000 Männer, Frauen und Kinder im Feuersturm. Auch Trier, Essen, Heilbronn, Stuttgart und Darmstadt steckte die RAF in Brand. Nur in Berlin misslang dasselbe.

Doch mit der fürchterlich effizienten Vernichtung der Barockstadt Dresden hatte Harris den Zenith seines Ansehens überschritten. Am 13./14. Februar öffneten sich die Schleusen im Himmel. Es gab 25.000 Tote und 350.000 Ausgebombte.

Wenige Tage später soll er zu Churchills Sekretär gesagt haben: "Dresden? Einen solchen Ort gibt es nicht mehr." Churchill distanzierte sich angesichts der empörten Reaktion in neutralen Ländern von Arthur Harris. Erst intern, dann gegenüber den Verbündeten. In seiner berühmten Rede zu Kriegsende erwähnte Churchill den Bomber-Kommandanten nicht.

Der sah das als Verrat. Schließlich hatte der Air Marshal nie etwas anderes getan, als die Anordnungen des Premiers umzusetzen.

Harris‘ Beitrag war die Rücksichtslosigkeit gegenüber den eigenen Männern wie den deutschen Opfern. 1945 schied er wegen der fehlenden Wertschätzung seines Anteils am Sieg über Hitler aus der Armee aus und zog sich nach Südafrika zurück.

Erst nach seiner Pensionierung als Schiffsmanager kehrte er nach Großbritannien heim. Arthur Harris starb 1984 mit 92 Jahren. Der Schrecken über sein Wirken bleibt.

Zwei Sturzkampfflugzeuge der Deutschen Luftwaffe vom Modell Junkers im Einsatz.
Zwei Sturzkampfflugzeuge der Deutschen Luftwaffe vom Modell Junkers im Einsatz.  © Imago

Nazis hatten den Luftkrieg eröffnet

Wer Wind sät: Am 13./14. Februar zerstörten die Alliierten Dresden. In den Jahren davor hatten die Deutschen Millionen Europäer aus der Luft terrorisiert. Zivile Ziele wurden von Anbeginn des Zweiten Weltkriegs zerstört.

Mit der Bombardierung Warschaus begannen Görings Bomber ihren Angriff am 1. September 1939. Am 27. September 1939 kapitulierte Warschau. 6 000 polnische Soldaten und 25 800 Zivilisten starben. Es folgten unter anderem Rotterdam, Coventry und London.

Beim Inferno in der Hafenstadt Rotterdam am 14. Mai 1940 starben 814 Zivilisten. 78.000 Menschen wurden obdachlos. Die Altstadt wurde nahezu komplett zerstört.

In den Monaten der Luftschlacht um England 1940 starben fast 30.000 englische Zivilisten.

Nachdem Coventry in Schutt und Asche lag, erfand Goebbels den Begriff „coventrisieren“ als Synonym für totale Zerstörung.

Bodentruppen rollen einen Wagen mit einer Bombe unter ein Kampfflugzeug in Position.
Bodentruppen rollen einen Wagen mit einer Bombe unter ein Kampfflugzeug in Position.  © Imago

Schichtdienst bei den Alliierten

Für die Briten war ein Bombenangriff am Tag riskant. Die deutschen Jagdflieger konnten den britischen Bombern massiv schaden.

Daher verlegte die Royal Air Force ihre Angriffe in die Nacht.

Da war die deutsche Flugabwehr nahezu machtlos. Zudem war die Aufgabe der Briten das Flächenbombardement. Die Amerikaner versuchten eher, Punktziele wie die Industrieanlagen zu treffen - gute Sicht war dabei wichtig.

Daher teilte man sich die Bombardements auf: Die Briten flogen bei Nacht, die Amerikaner am Tage.

Ein Waffenmeister bringt eine 4.000 Pfund schwere Luftmine, auch Wohnblockknacker genannt, unter dem Bombenschach einer Lancaster in Position.
Ein Waffenmeister bringt eine 4.000 Pfund schwere Luftmine, auch Wohnblockknacker genannt, unter dem Bombenschach einer Lancaster in Position.  © Imago

Der Kamineffekt war einkalkuliert.

Die Flächenbombardierungen im Luftkrieg des Zweiten Weltkriegs führten zu Feuerstürmen, hervorgerufen durch den sogenannten „Kamineffekt“.

Spreng- und Brandbomben wurden kombiniert abgeworfen. Erstere deckte die Dächer der Gebäude ab, sodass die Brandbomben hölzerne Bauteile im Inneren entzünden konnten.

Durch zerstörte Fensterscheiben gelangte Luft an die Brandherde und ermöglichte die Ausbreitung des Feuers, insbesondere bei enger, verwinkelter und größtenteils aus Holz bestehender Altstadtbebauung.


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