Bruchlandung! Germania-Pleite trifft Dresdner Flughafen besonders hart

Dresden - Das ist bitter: Dresdens wichtigste Touristen-Airline "Germania" ist pleite! Die zuletzt schwächelnde Berliner Fluggesellschaft musste Insolvenz beantragen, stellte sämtlichen Flugverkehr in der Nacht zum Dienstag ein (TAG24 berichtete).

Auch dieser Germania-Flieger am Dresdner Flughafen blieb am Boden.
Auch dieser Germania-Flieger am Dresdner Flughafen blieb am Boden.

Viele Reisende erreichte die Hiobsbotschaft erst bei ihrer Ankunft am Flughafen in Klotzsche - kurz vorm Abflug in den Traumurlaub ...

Das Terminal am Morgen: Emily (11) und Chloe (7) lassen die Köpfe hängen. Papa Sandro Schulze (35) nimmt Mama Nicole Couzens (33) in die Arme. Sie hat Tränen in den Augen: "Es sollte doch eine Überraschung für unsere Kleinen werden. Für ihre guten Zeugnisse."

Die junge Familie aus Brandenburg wollte wie Dutzende weitere Fluggäste am Mittag nach Hurghada (Ägypten, 27 Grad) ans Rote Meer fliegen.

Doch der Traum-Strandurlaub im 5-Sterne-Hotel (fünf Nächte, 1588 Euro) zerbrach in der Eingangshalle: Flug "gestrichen", verlautete die Infotafel. "Am Montag war noch alles klar. Wir hatten zwei Jahre dafür gespart", so die Mutter. "Vor Ort kann uns keiner weiterhelfen, auch nicht die Hotline unseres Reiseanbieters."

Frustriert trat die Familie mit dem Auto die Heimreise an. Papa Schulze: "Wir boten an, von anderen Flughäfen zu reisen. Doch vom Anbieter kam nichts. Nicht mal eine Stornierung wurde uns zugesichert, damit wir wenigstens unser Geld zurückbekommen. Wir gehen zur Polizei und schalten einen Anwalt ein."

Am Germania-Schalter versuchten Mitarbeiter die Reisenden zu beruhigen.
Am Germania-Schalter versuchten Mitarbeiter die Reisenden zu beruhigen.  © Ove Landgraf

Andere Reisende hatten mehr Glück: "Wir sind acht Personen, wurden auf TUI-Kosten mit dem Taxi ins Ibis-Hotel gebracht. Mittwoch früh werden wir nach Schönefeld transferiert, sollen dort einen Flieger nach Hurghada bekommen", sagte Altenpflegerin Andrea Roggenbrodt (38) aus Rostock.

ElbeZeit-Café-Mitarbeiterin Cindy Domin (25): "Die Urlaubsmaschinen halten uns am Leben. Jetzt ist noch weniger los." Der Flughafen werde Probleme bekommen.

"Die Insolvenz ist für die Mitarbeiter der Fluggesellschaft ein schwerer Schlag", so Götz Ahmelmann (47), Vorstandsboss der Mitteldeutschen Flughafen AG (Standorte Dresden und Leipzig).

"Wir stehen mit verschiedenen Airlines und Reiseveranstaltern im Gespräch, um die Auswirkungen der Germania-Insolvenz auf den Flughafen Dresden so gering wie möglich zu halten."

Was Passagiere jetzt wissen müssen

ElbeZeit-Café-Mitarbeiterin Cindy Domin (25) sieht schwere Zeiten auf den Flughafen und die Airport-Geschäfte zukommen.
ElbeZeit-Café-Mitarbeiterin Cindy Domin (25) sieht schwere Zeiten auf den Flughafen und die Airport-Geschäfte zukommen.  © Steffen Füssel

Nachdem Germania (1986 gegründet, viertgrößte deutsche Airline) schon im Januar wegen gestiegenen Kerosinpreisen und Euro-Abwertung schwächelte, trifft die Pleite jetzt knapp 1000 Mitarbeiter (Zukunft ungewiss) und zahlreiche Touristen, wirbelt auch Urlaubspläne für den Sommer durcheinander.

Deutsche Airlines boten Germania-Passagieren, die sich im Ausland befinden, verbilligte Tickets für die Rückflüge an. Die Kosten dafür müssen die Kunden tragen.

Passagiere, die ihren Flug über Pauschalreisen gebucht haben, müssen sich wegen einer Ersatzbeförderung direkt bei ihrem Reiseveranstalter melden. Laut Verbraucherschützern brauchen sie sich keine Sorgen machen.

Mehrere Veranstalter wollen betroffene Gäste "sofort aktiv informieren", sobald Informationen über neue Flugzeiten und Abflugorte vorliegen.

Wer sein Flugticket jedoch bei Germania gekauft hat, hat keinen gesetzlichen Anspruch auf Entschädigung. Da bleibt nur das Buchen eines neues Fluges auf eigene Kosten. Diese könnten Kunden theoretisch beim Insolvenzverwalter geltend machen, doch praktisch bestehen kaum Chancen auf Entschädigung.

20 Ziele weg! Der Sommerurlaub hat den Abflug gemacht

Auch Familie Reihe aus Stralsund konnte ihren Flug in den Urlaub nicht antreten.
Auch Familie Reihe aus Stralsund konnte ihren Flug in den Urlaub nicht antreten.  © Ove Landgraf

Mit zwei stationierten Fliegern (im Sommer sogar drei) war Germania die wichtigste Touristen-Airline für Dresden. Jede Woche hoben allein im Winter bis zu 23 Germania-Flieger in elf Domizile ab (insgesamt gibt's am Flughafen aktuell mit Inlandflügen bis zu 178 Wochen-Starts).

Antalya (Türkei), Palma de Mallorca (Spanien) und Hurghada (Ägypten) werden aktuell noch von anderen Airlines ab Dresden bedient.

Nur mit Germania waren zu erreichen: Sharm el Sheikh (Ägypten), Faro (Portugal), Funchal (Inselgruppe Madeira), Barcelona (Spanien), Fuerteventura, Las Palmas, Teneriffa und Lanzarote (alle Kanaren).

Im Sommer exklusiv von Germania geplante Flugziele (47 Germania-Wochenstarts von insgesamt 223): Barcelona (Spanien), Athen (Griechenland), Kefalonia (Griechenland), Biak (Indonesien), Iraklio (Kreta, Griechenland) und Kos (Griechenland).

Außerdem Thessaloniki (Griechenland), Faro, Funchal, Malaga (Spanien), Fuerteventura, Gran Canaria, Teneriffa, Monastir (Tunesien), Dalaman (Türkei), Debrecen (Ungarn), Saarmelleek (Ungarn), Larnaka (Zypern).

Ganzjährig flog Germania damit 20 Ziele exklusiv ab Dresden an. Ob und welche nun andere Airlines übernehmen, ist offen.

Überraschungs-Urlaub für Emily (11) und Chloe (7) geplatzt: Mama Nicole Couzens (33) und Papa Sandro Schulze (35) fuhren im Auto zurück nach Brandenburg.
Überraschungs-Urlaub für Emily (11) und Chloe (7) geplatzt: Mama Nicole Couzens (33) und Papa Sandro Schulze (35) fuhren im Auto zurück nach Brandenburg.  © Steffen Füssel
Für Altenpflegerin Andrea Roggenbrodt (38) aus Rostock endete die Odyssee gestern in einem Dresdner Hotel.
Für Altenpflegerin Andrea Roggenbrodt (38) aus Rostock endete die Odyssee gestern in einem Dresdner Hotel.  © Steffen Füssel
"Annulliert": Die Germania-Flieger nach Hurghada und Funchal-Madeira blieben gestern und auch künftig am Boden.
"Annulliert": Die Germania-Flieger nach Hurghada und Funchal-Madeira blieben gestern und auch künftig am Boden.  © Ove Landgraf
Der Dresdner Flughafen.
Der Dresdner Flughafen.  © Ove Landgraf

Titelfoto: Ove Landgraf, Steffen Füssel

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