Trunkenbolde aufgepasst! Dresden bekommt wieder ’nen Schandesel





Da sind sich Mario Sempf (48, l.) und Thomas Zahn (49) einig: Niedlich ist am 
Schandesel nur der geschnitze Kopf.
Da sind sich Mario Sempf (48, l.) und Thomas Zahn (49) einig: Niedlich ist am Schandesel nur der geschnitze Kopf.  © Norbert Neumann

Dresden - Diebe, Unruhestifter, Trunkenbolde, ungehorsame Soldaten - sie alle wurden zu Zeiten August des Starken mit einem Ritt auf dem „Schandesel“ bestraft.

Bis 1760 stand der hölzerne Vierbeiner vor der Hauptwache auf dem Neumarkt - zur Marter kleinkrimineller Männer!

Über 250 Jahre später wird er noch einmal aufgebockt.

Am Samstag (10-17 Uhr) kann das auf den ersten Blick harmlos wirkende Folterinstrument noch einmal bestaunt werden - vorm Pulverturm am Neumarkt. Es ist ein Nachbau der Dresdner Hobby-Forscher und Autoren Mario Sempf (48) und Thomas Zahn (49). Ihr Spezialgebiet: Die Geschichte der Henker und Richtstätten.

„Der Schandesel ist sogar auf dem berühmten Neumarkt-Gemälde von Canaletto zu sehen“, so Sempf. Das Bild entstand 1749-51. Es zeigt den Schandesel neben dem Galgen und dem Schandpfahl. Was nicht zu sehen ist, wie qualvoll ein Ritt war. „Die Sitzfläche ist ein spitz zulaufendes Holzdach“, erklärt Zahn. „In alten Chroniken habe wir Hinweise gefunden, die davon berichten, dass Männer drei Stunden auf dem Schandesel ausharren mussten.“

Bewacht von Soldaten gab es kein Entrinnen von dem bis zu drei Meter hohen Eselsrücken. Sempf weiß: „Die Delinquenten durften sich nicht abstützen.“ Das hatte nicht „nur“ Folgen fürs Geschlecht, die Blutzufuhr in die Beine wurde unterbrochen.

Wie lange es ein Verurteilter tatsächlich auf dem Schandesel aushalten konnte? „Das wollen wir demnächst in einem Selbstversuch herausfinde“, so Zahn & Sempf. Ein Arzt wird das Experiment begleiten. Wer will, kann es auf dem Blog „vom-haengen-und-wuergen.blogspot.de verfolgen.

Unter Schmerzen setzten sich Mario Sempf (48, vorn) und Thomas Zahn (49) auf den selbst gezimmerten Schandesel. Auf dem Canaletto-Gemälde „Der Neumarkt zu Dresden vom Jüdenhof aus“ ist der Schandesel vor der Hauptwache zu sehen.
Unter Schmerzen setzten sich Mario Sempf (48, vorn) und Thomas Zahn (49) auf den selbst gezimmerten Schandesel. Auf dem Canaletto-Gemälde „Der Neumarkt zu Dresden vom Jüdenhof aus“ ist der Schandesel vor der Hauptwache zu sehen.  © SKD

Titelfoto: SKD


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