Immer mehr Ungereimtheiten: Prozess um Daniel H (†35) wirft viele Fragen auf

Dresden/Chemnitz - Der Tod des Daniel H. (35) auf dem Chemnitzer Stadtfest 2018. Seit Montag wird am Oberlandesgericht Dresden gegen den mutmaßlichen Täter Alaa S. (23) verhandelt. Der Syrer soll den Tischler erstochen haben. Der Nachweis dessen forderte schon am ersten Prozesstag ganzen Körpereinsatz von Staatsanwalt Stephan Butzkies (50).

Alaa S. (23) am Montag vor Gericht.
Alaa S. (23) am Montag vor Gericht.  © Christian Essler

Der Jurist legte sich auf den Parkett-Boden vorm Richtertisch. "Ich bin jetzt Daniel H.", so der Staatsanwalt zum Zeugen Dimitri M. (39). "Wie haben die Täter auf ihn eingestochen?" LKW-Fahrer Dimitri mimte die Hiebe, die er gesehen haben will, als Daniel H. in jener Nacht angegriffen wurde.

Er war seinerzeit mit Daniel unterwegs. Es habe plötzlich eine Auseinandersetzung mit einem ihm Unbekannten gegeben. Zwei Täter hätten dann auf dem am Boden Liegenden geschlagen.

"Aber nur einer hatte ein Messer", so der Zeuge, der noch bei der Polizei erklärt hatte, beide Angreifer hätten Messer gehabt. "Da bin ich falsch verstanden worden", so Dimitri zur Richterin. Den Angeklagten will Dimitri, der selbst am Rücken verletzt wurde, nicht erkannt haben.

Für Ricarda Lang, eine der beiden Verteidiger des Friseurs Alaa S., fügt sich diese Unklarheit in eine Reihe von Ungereimtheiten: "Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft kamen zu keinem brauchbaren Ergebnis", so die Juristin in einer Erklärung. "Unser Mandant ist unschuldig."

Ricarda Lang wollte Prozess außerhalb Sachsens verhandeln

Verteidigerin Ricarda Lang am Montag.
Verteidigerin Ricarda Lang am Montag.  © Christian Essler

Außerdem stellte die Anwältin den Richtern, vor allem den Schöffen, einen "Fragenkatalog". Zur Überprüfung der Neutralität vor allem der Laienrichter, will die Juristin unter anderem wissen, ob sie an Pegida-Kundgebungen teilnahmen, vorm Prozess bedroht wurden oder an "Trauerkundgebungen" in Chemnitz teilnahmen. Das Gericht stellte den Auskunftsantrag vorerst zurück.

Der Tod des Daniel H. hatte Chemnitz wochenlang in den Focus der Öffentlichkeit gerückt: Die Tat war Auslöser für zahlreiche Krawalle, Demos rechter Gruppen und Übergriffe auf Flüchtlinge. Deshalb wird der Fall im Hochsicherheitssaal des Dresdner OLG verhandelt.

Ricarda Lang hatte wegen der Brisanz sogar gefordert, den Prozess außerhalb Sachsens zu verhandeln. Sie scheitere aber beim Bundesgerichtshof mit dem Antrag.

Das Chemnitzer Landgericht, dass nun im Hochsicherheitssaal des Oberlandesgerichts Dresden verhandelt, will noch über 50 weitere Zeugen hören, um den Fall zu klären.

Für die gut zehn Freunde von Alaa im Zuschauerraum, ist nur eins wichtig: "Dass die Wahrheit ans Licht kommt", sagt einer. "Dass klar wird, dass er unschuldig ist. Und, dass er endlich wieder frei kommt." Der Prozess wird fortgesetzt.

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