Weil Sachsens Wirtschaft brummt: Geht dem Arbeitsamt bald die Arbeit aus?

Die "Kundschaft" bleibt aus. Restaurants müssen in so einer Situation schließen ...
Die "Kundschaft" bleibt aus. Restaurants müssen in so einer Situation schließen ...  © dpa/Patrick Seeger

Dresden/Chemnitz - Die Lage auf dem sächsischen Arbeitsmarkt ändert sich gerade dramatisch - und damit auch die Anforderungen an das Landes-Arbeitsamt. Das muss sich nun selbst um Arbeit bemühen. Eine Idee: ganz alte Kunden ganz doll umsorgen.

"Es geht nicht darum, uns unverzichtbar zu machen", sagt Klaus-Peter Hansen (54). Der Chef der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit müht sich zur Zeit, den Anschein des Aktionismus von sich zu weisen, wenn es Programme auflegt.

Aber tatsächlich muss das oberste Arbeitsamt in Sachsen mehr und mehr seine Daseinsberechtigung nachweisen.

Denn die Wirtschaft im Freistaat brummt. Wo früher 34 Bewerber auf einen freien Job kamen, sind es heute nur noch vier.

"In fünf bis sieben Jahren wird das Verhältnis 1:1 sein", so Hansen. Hinzu kommt, wie Landes-Arbeitsminister Martin Dulig (43, SPD) sagt: "Von der Wirtschaft werden händeringend Fachkräfte in vielen Firmen gesucht."

Selbst der Ausbildungsmarkt spielt verkehrte Welt. Daher nimmt sich nun das Landes-Arbeitsamt verstärkt seiner Stammklientel an: der Langzeitarbeitslosen.

Unterstützt vom Ministerium wird all dies ins Rollen gebracht:

- eine "Therapie". Langzeitarbeitslose bekommen jeweils ein Team um sich, bestehend aus Lotsen und Spezialisten, eine, so wörtlich, 360-Grad-Betreuung.

- das "Tandem-Programm". Damit sollen langzeitarbeitslose Familien betreut werden. Aber nur freiwillig.

- ein Programm "58+". Damit sollen Menschen über 58 Gemeinwohlarbeit verrichten, am liebsten bei kommunalen Tochterfirmen, um dem freien Markt nicht Konkurrenz zu machen, so Hansen. Keinesfalls seien das 1-Euro-Jobs, es werde mindestens Mindestlohn gezahlt. Begleitet würden die Jobs von Trainern. "Qualifizierungs-Ziel ist der 1. Arbeitsmarkt."

Und eine Jugend-Berufsagentur für den Übergang Schule - Beruf, Rückkehr der Berufsberatung ab Klasse 8 und Berufsweg-Planung für Menschen mit Jobs.

Titelfoto: dpa/Patrick Seeger


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