Conchita zu Besuch in Dresden: "Große Emotionen faszinieren mich"

Dresden - Conchita (vormals Wurst) ist binnen kurzer Zeit zu einem der glamourösesten Stars unserer Medienwelt geworden. Ursächlich dafür war der Sieg beim Eurovision Song Contest 2014, den sie mit volltönender Stimme und Vollbart errang. Am 18. November tritt Conchita im Rahmen der Jazztage in Dresden auf (Erlwein Capitol).

Tom Neuwirth ist der Urheber der Dragqueen.
Tom Neuwirth ist der Urheber der Dragqueen.  © DPA

Schon am Mittwoch stattete sie der Stadt einen Besuch ab - und traf sich unter anderem mit der TAG24.

Conchita ist die Kunstfigur des österreichischen Sängers Tom Neuwirth (29). Eine überaus ungewöhnliche Dragqueen, denn mit dem Bart betont sie jene Männlichkeit, die unter der weiblichen Verkleidung gewöhnlich verborgen werden soll.

"Es war 2011, da sollte ich in einem Wiener Bordell eine Burlesque-Revue gestalten. Ich wollte das als Dragqueen tun. Da ich ohne Bart aussehe wie zwölf, habe ich ihn nicht abrasiert", sagt sie. So entstand Conchita. Mittlerweile hat sie das schrille Outfit abgelegt. Der Bart blieb unangetastet.

Von sich reden machte Conchita auch durch Outing und Bekenntnis, homosexuell und HIV-positiv zu sein, was ihr hier Respekt und dort einen Shitstorm einbrachte. Sprechen möchte sie darüber nun nicht mehr.

Ein Rätsel gab zuletzt die Absage ihrer Deutschland-Tour durch den Konzertveranstalter auf (TAG24 berichtete). "So weit so gut - Best of Live" ist das Motto der Show. Der Dresdner Auftritt ist der einzige, der übrig geblieben ist. In einer Videobotschaft zeigte sich Conchita traurig über die Absage. Der Erfahrung nach ist der Grund für Tourneeabsagen dieser Art meistens ein schlechter Kartenvorverkauf. Conchita gibt zu: "Es gab finanzielle Probleme."

Conchita am Mittwochnachmittag vor der Semperoper.
Conchita am Mittwochnachmittag vor der Semperoper.  © Amac Garbe

Seit einigen Tagen ist Conchitas neues Album auf dem Markt, "With Love From Vienna", eingespielt mit den Wiener Symphonikern.

Die Dragqueen nimmt sich darauf eine Reihe Coversongs vor, darunter Shirley Basseys Bond-Song "Moonraker" und Hildegard Knefs "Für mich soll's rote Rosen regnen". Conchita: "Große Emotionen faszinieren mich. Das Bild der einsamen, leidenden Diva finde ich so wunderbar romantisch."

Conchitas Leben - den angenommenen Nachnamen Wurst hat sie vor drei Jahren abgelegt - ist kein einfaches.

Es wechselt zwischen künstlerischen Höhenflügen und offenen Anfeindungen in unserer hysterischen Zeit. Vor und nach dem Song Contest waren es vor allem die Osteuropäer, die ihr und ihrem Erscheinungsbild mit Hass begegneten, doch sind die Leute auch hierzulande nicht zimperlich.

Wie lange hält man so ein Leben aus? Hat sie in den zurückliegenden Jahren jemals an sich gezweifelt? "Ich bin wahnsinnig ignorant", sagt Conchita und setzt ein breites Lächeln auf. "Ich habe sehr früh entschieden, kompromisslos zu tun, was ich tun wollte. Meine Eltern haben mich darin immer unterstützt. Was die anderen sagen, kümmert mich nicht."


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