Erschreckende Studie: Jedes dritte Kind in Sachsen chronisch krank

Dresden - Wächst da "Generation Dauerpatient" heran? Laut einer Studie der DAK ist jedes dritte Kind im Freistaat chronisch krank. Besonders Hautprobleme und Übergewicht machen den kleinen Sachsen zu schaffen - nicht nur in der Stadt.

Viele Kinder in Sachsen leiden unter Übergewicht - auch auf dem Land. In der Altersklasse 10 bis 14 Jahre sind es 5,3 Prozent!
Viele Kinder in Sachsen leiden unter Übergewicht - auch auf dem Land. In der Altersklasse 10 bis 14 Jahre sind es 5,3 Prozent!  © 123RF

"30 Prozent aller Kinder- und Jugendlichen in Sachsen haben eine chronisch-somatische Erkrankung. Damit liegen sie oberhalb des bundesweiten Durchschnitts", sagt Julian Witte von der Universität Bielefeld. Der Forscher hat für die DAK Sachsen Daten von 14.900 Patienten zwischen ein und 18 Jahren ausgewertet.

"Sächsische Kinder haben besonders oft Neurodermitis. Nicht so oft wie ihre Altersgenossen im Bundesschnitt sind sie von Augenproblemen betroffen", so Witte weiter. Für beides gebe es keine rechte Erklärung. Plausibler sei da eher, dass die jungen Sachsen zunehmend "Rücken" haben: vom Spielen am Computer.

Und 3,7 Prozent aller Kinder litten unter einem krankhaften Übergewicht, was wiederum oft zu Depressionen führe. Selbst auf dem Land gebe es eine hohe Zahl übergewichtiger Kinder und - überraschend - viele Kinder mit Allergien.

DAK-Sachsen-Chefin Christine Enenkel mit Lösungsvorschlägen

Auch Depressionen bei Kindern sind inzwischen keine Seltenheit mehr. Bei 17-jährigen Mädchen liegt die Quote sogar bei 6,6 Prozent. Und 18 Prozent aller Mädchen ab zwölf bekommen deswegen Medikamente.
Auch Depressionen bei Kindern sind inzwischen keine Seltenheit mehr. Bei 17-jährigen Mädchen liegt die Quote sogar bei 6,6 Prozent. Und 18 Prozent aller Mädchen ab zwölf bekommen deswegen Medikamente.  © 123RF

Auch Kinderärztin Barbara Teichmann vom Landesverband der Kinder- und Jugendärzte beobachtet: "Übergewicht und Verhaltensstörungen haben zugenommen." Das hänge, wie die Rückenschmerzen, auch mit Spielsucht und unkontrollierter Nutzung sozialer Medien zusammen.

Wichtig sei bei der Betrachtung all der chronischen Leiden, den großen Zusammenhang herzustellen, und: "Wir müssen alle gemeinsam an Verbesserungen arbeiten, die Eltern dürfen nicht allein gelassen werden." So müssten die Kinder ins Boot geholt werden, um mit ihnen Ernährung, Körperwahrnehmung und Sport durchsprechen.

Laut DAK-Sachsen-Chefin Christine Enenkel bilde das Problem eine gesamtgesellschaftliche Situation ab, die auch nur gesellschaftlich gelöst werden könne: durch weniger Sportausfall an den Schulen, durch Präventionsprogramm, wie sie auch die DAK auflege, und durch Bildung.

"Denn besonders die Kinder bildungsarmer Familien sind betroffen", so Enenkel.

Christine Enenkel von der DAK. Die Krankenkasse hat eine interessante Theorie, warum die Kinderkrankenquote hierzulande so hoch ist: Anders als im Westen arbeiten mehr Frauen. Weil sie Krankenscheine brauchen, gibt es viele Arztbesuche.
Christine Enenkel von der DAK. Die Krankenkasse hat eine interessante Theorie, warum die Kinderkrankenquote hierzulande so hoch ist: Anders als im Westen arbeiten mehr Frauen. Weil sie Krankenscheine brauchen, gibt es viele Arztbesuche.  © Ove Landgraf

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