Darmsanierung nach Antibiotika: Sinnvoll oder rausgeschmissenes Geld?

Dresden - Hat Euch auch die Grippe voll erwischt? Und in der Apotheke wollte Euch ein Mitarbeiter gleich noch ein Mittel zur Darmsanierung nach der Einnahme von Antibiotika andrehen?

Etwa 600 Tonnen Antibiotika verschreiben Ärzte in Deutschland jährlich.
Etwa 600 Tonnen Antibiotika verschreiben Ärzte in Deutschland jährlich.  © Lukas Schulze/dpa

Es ist die neueste Einnahmequelle der Pharmaindustrie: Wer mit einem Rezept für Antibiotika in der Apotheke auftaucht, dem soll am besten auch ein Detox-Mittel für den Darm verkauft werden. Die erste Frage, die sich da stellt: Wie haben wir nur all die Jahre ohne das überlebt?

Mit dem Antibiotika-Päckchen in der Hand kommt der Apotheken-Mitarbeiter dann auf den Patienten zu. Ein besorgter Gesichtsausdruck soll nun alle Argumente zum Kauf dieses zusätzlichen Darmsanierungs-Präparates (Kosten: im Schnitt 40 Euro pro Monat) bekräftigen.

Richtig ist, dass die zu lange oder zu häufige Einnahme von Antibiotika dem Körper schadet, also auch dem Darm. Doch ist seine Sanierung - mit einem weiteren Medikament - wirklich notwendig?

Gut zu wissen: Antibiotika bekämpfen Bakterien, bei Viren sind sie völlig sinnlos. Leider töten sie außer den "bösen" Bakterien auch die guten. Dazu gehören die Darmbakterien, die für die Verdauung zuständig sind. Die Folge sind etwa Durchfall oder eine gestörte Darmflora.

Trotzdem ist es keine gute Idee, nach der Einnahme von Antibiotika noch andere Medikamente nachzuschieben. Schon gar nicht, wenn diese Empfehlung ausschließlich vom Apotheker an der Verkaufstheke kommt. Der denkt im Zweifelsfall nur an seinen Gewinn. Klärt deshalb mit Eurem Arzt, ob so eine Darmsanierung überhaupt infrage kommt. Denn es geht auch anders!

Antibiotika soll bei Infektionen Bakterien bekämpfen.
Antibiotika soll bei Infektionen Bakterien bekämpfen.  © Friso Gentsch/dpa

Eine Darmsanierung nach Antibiotika-Einnahme macht Sinn, um "Entzündungsprozesse im menschlichen Körper einzudämmen", erklärt das Gesundheitsportal "PraxisVITA". Das ist vor allem bei Patienten mit Reizdarmsyndrom, Morbus Crohn oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen der Fall. Hier könnte die "gezielte Einnahme von Darmbakterien Krankheiten besiegen."

Allerdings warnen Mediziner davor, Darmsanierungen pauschal zu empfehlen. Es sei sogar unseriös, wenn ein Apotheker - ohne die individuelle Abstimmung mit dem Arzt des Patienten - eine Darmsanierung vorschlägt. Nur wenn der keine Einwände hat, kann auch der Apotheker zur Schublade mit den entsprechenden Kapseln greifen.

Wer auf die Chemiekeule verzichten will, kann seine Darmflora auch mit natürlichen Lebensmitteln wieder auf Vordermann bringen. Folgende eignen sich dazu besonders gut:

Zwiebeln, Knoblauch, Porree - Sorgen generell für einen gesunden Darm (lest hier mehr über die Wirkung)

Buttermilch, Kefir - Milchsäurebakterien kommen hier natürlich vor: perfekt die Darmsanierung nach Antibiotika

Sauerkraut - Frisch aus dem Glas gelöffelt (nicht erhitzen!), freut sich der Darm auch hier über die Milchsäurebakterien

Vollkornprodukte, Leinsamen, Löwenzahn - Kurbeln die Verdauung an

Einziger Vorteil von Milchsäurebakterien in Kapseln: Dank der Hülle sind sie vor der Magensäure geschützt und kommen vollständig im Darm an, bei natürlichen Lebensmitteln ist es nur ein Bruchteil.

Titelfoto: Lukas Schulze/dpa, Friso Gentsch/dpa