Das Geheimnis der Eidechsen vom Elbhang





Peter Weidenhagen (57) kennt die Legenden zu den Weinberg-Echsen.
Peter Weidenhagen (57) kennt die Legenden zu den Weinberg-Echsen.  © Norbert Neumann

Dresden - Mauereidechsen dürfte es in Sachsen gar nicht geben. Wer bei Sonnenschein in den Weinbergen rund um das Lingnerschloss spazieren geht, sieht dennoch Dutzende der grünlichen Reptilien über Sandsteinmauern huschen.

Eine Legende rankt sich darum, wie die Tiere nach Dresden kamen.

Einmal im Monat führt Peter Weidenhagen (57), Geschäftsführer bei Igeltour Dresden, Gäste durch die Parks der drei Elbschlösser. Fast immer sind dabei kleine grüne Eidechsen die heimlichen Stars. „In Dresden gibt es nur zwei Vorkommen, einmal in den Steinbrüchen am Plauenschen Grund und eben an den Elbschlössern“, erklärt Weidenhagen, der seit Jahren das Leben der Tiere erforscht.

Fest steht: Alle Echsen wurden irgendwann eingeschleppt. Fest steht auch: Die etwa 1000 Reptilien an den Weinbergen sind etwas Besonderes. „Andere Populationen in Ostdeutschland kommen aus Osteuropa, etwa der Slowakei oder Ungarn. Das hängt mit dem Urlaubsverhalten zusammen“, so Weidenhagen.

Soll heißen: Wer auch immer dort Urlaub machte, nahm die Tiere mit und setzte sie zu Hause aus. Die Mauereidechsen von den Elbschlössern stammen hingegen aus Venetien, das haben genetische Untersuchungen ergeben. Außerdem sind sie seit mindestes 1900 hier heimisch. Nicht zu belegen, aber umso hartnäckiger hält sich dazu die folgende Gesichte. „Um 1900 soll ein italienischer Künstler auf dem Weißen Hirsch zur Kur gewesen sein. Er hat die Tiere demnach hier ausgesetzt.“

Mit Erfolg: Die Echsen fühlen sich wie zu Hause, richten in den Ritzen der Weinbergmauern Kinderstuben ein, fressen mit Vorliebe Insekten - und haben die eigentlich heimische Zauneidechse verdrängt. Weil die Echsen aber weit über 100 Jahre hier siedeln, werden sie vom Naturschutzrecht wie heimische Arten behandelt.

Wer die Tiere bei der nächsten Elbschlösserwanderung erleben will, kann am 10. September mitlaufen. Karten kosten 8/6 Euro.

Eine Legende rankt sich darum, wie die Tiere nach Dresden kamen.
Eine Legende rankt sich darum, wie die Tiere nach Dresden kamen.  © Norbert Neumann

Titelfoto: Norbert Neumann