Dem Horror-Tod entkommen: Sachse rettet Laborhunde

Dresden - Kaum zu glauben: Noch immer werden 2,8 Millionen Tiere jedes Jahr für Laborversuche "verwendet", mindestens 686. 352 davon sterben. Die Zahl der Laborhunde stieg von 3 330 auf aktuell 3 979. Vor allem Beagle wurden extra für die Labore kleingezüchtet. Ein Dresdner hilft den Hunden, die den Labor-Horror überleben.

Stephan Bast (58) mit seinem Laborhund "Tünnes" (13). Der Hund kam mit neun Monaten aus einem Uni-Labor frei, an Tünnes wurden Versuche für Welpenfutter durchgeführt.
Stephan Bast (58) mit seinem Laborhund "Tünnes" (13). Der Hund kam mit neun Monaten aus einem Uni-Labor frei, an Tünnes wurden Versuche für Welpenfutter durchgeführt.  © Ronald Bonss

"Es ist berührend schön. Einmal in Freiheit, entdecken die Hunde rasend schnell eine für sie neue Welt. Sie spüren zum ersten Mal richtige Wiese und Wald", sagt Stephan Bast. Der 58-jährige Dresdner und seine Partnerin waren vor fünf Jahren Mitgründer des "LaborbeagleVereins".

Vor allem Beagle und einige Foxhound Mix leben in Deutschland zu Tausenden in Laboren. Laborbeagle wurden extra kleiner gezüchtet, damit mehr in Käfige passen. Die Tiere sind zudem besonders menschenbezogen, sozial und lieb. "Die Einrichtungen nehmen Hunde, die etwas aushalten, die verzeihen und vergessen können. Mit Schäferhunden gibt es solche Versuche nicht."

Deutschlandweit holt Bast direkt in den Versuchslaboren die Hunde ab, welche nicht tödlichen Versuchen zugeführt wurden, die aber für weitere Experimente nicht mehr tauglich sind.

In einem speziellen Auswahlverfahren kümmert sich der Verein um die passenden neuen Herrchen für die zwischen sechs Monate und sechs Jahre alten Tiere. "Die Hunde sind reizarm aufgewachsen, sie kennen keine Kinder, keine Leine, keine Radfahrer. Sie müssen das Leben mit Menschen erst kennenlernen."

"Es ist unglaublich, wie schnell die meisten auftauen

Dieses Foto stammt von einem Laborbeagle-Treffen. Alle Tiere waren in ihrem "ersten Leben" Versuchs-Tiere.
Dieses Foto stammt von einem Laborbeagle-Treffen. Alle Tiere waren in ihrem "ersten Leben" Versuchs-Tiere.  © Stephan Bast

Meist gelingt das besser, als Unbeteiligte denken.

"Die Hunde sind während der Fahrt in die Freiheit duldsam, sie sind Boxen gewöhnt, typisch für den Anfang ist ein skeptischer Blick. Aber die Tiere merken sofort, das etwas anders ist. Es ist unglaublich, wie schnell die meisten auftauen."

Knapp 40 Hunde hat Bast schon echten Herrchen und Frauchen übergeben. "Einmal bin ich mit fünf Welpen im Sommer im Auto unterwegs gewesen, alle fünf haben während der Autofahrt gleichzeitig Durchfall bekommen, der Geruch war unvergesslich", schmunzelt Bast.

Immer wieder stellt sich die Frage, ob der Verein mit der Übernahme der Tiere nicht indirekt die Versuche stützt, die Labore von einer entbehrlichen Last befreit: "Das Ende der Tierversuche muss auf politischem Wege eingeleitet werden", sagt Bast.

Infos: www.laborbeagleverein.com

Pro Tier wird eine Schutzgebühr von 250 bis 300 Euro fällig. Der Verein lebt von Spenden.

Alternative zu Tierversuchen?

Tierversuche sind trotz aller Kritik (noch) eine medizinische Notwendigkeit.

Aktuell sind für die Zulassung von Medikamenten Tierversuche gesetzlich vorgeschrieben. 2018 wurden an 122 .149 Tieren Krebserkrankungen des Menschen erforscht. Auch eine tierärztliche Ausbildung braucht Tierversuche.

Aktuell versucht das zuständige Bundesamt für Ernährung und Landwirtschaft "Tierversuche auf ein unerlässliches Maß zu beschränken". Zudem sollen "Tierversuche möglichst schnell durch alternative Methoden ersetzt oder reduziert werden."

Gegnern geht das nicht schnell genug. Durch rasend schnelle Fortschritte könnten Darm, Gehirn, Leber oder Nieren durch organähnliche Mikrostrukturen nachgebildet (und getestet) werden.

Sieben Labor-Hunde kurz nach Abholung im Labor. Wenig später waren sie bei ihren neuen Familien.
Sieben Labor-Hunde kurz nach Abholung im Labor. Wenig später waren sie bei ihren neuen Familien.  © Stephan Bast

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