Immer mehr Dresdner pflegebedürftig! So will die Stadt reagieren

Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (40, Linke) plant eine kommunale Pflegeplanung.
Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (40, Linke) plant eine kommunale Pflegeplanung.  © Petra Hornig

Dresden - Dresden altert. Senioren machen bis 2030 einen wesentlich größeren Anteil der Bevölkerung aus - viele müssen zwangsläufig im hohen Alter gepflegt werden.

Aktuell bekommen etwa 15.000 Menschen Leistungen der Pflegeversicherung. Tendenz steigend. Eine Herausforderung für private Pflegedienste und die Stadtverwaltung. Fachkräfte fehlen, eine kommunale Pflegeplanung soll helfen.

„Aufgrund des demografischen Wandels ist klar, dass wir mehr pflegebedürftige Menschen versorgen müssen“, sagt Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (40, Linke). Etwa 71 400 Menschen über 75 Jahre und 59 300 Menschen zwischen 65 bis 74 Jahren leben im Jahr 2030 laut Einwohnerprognose in Dresden. Das sind 10 Prozent mehr als aktuell.

Sebastian Kieslich (42) vom Dresdner Caritasverband bestätigt: „Eine zentrale Herausforderung bei der Pflege kranker und älterer Menschen ist der Spagat zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und einem menschenwürdigen Umgang. Immer mehr Menschen werden älter.“

In Dresden nimmt die Zahl der Senioren stetig zu. Viele sind auf Pfleger angewiesen.
In Dresden nimmt die Zahl der Senioren stetig zu. Viele sind auf Pfleger angewiesen.  © 123RF

Er sieht die Stadt in der Pflicht, fordert günstige und barrierefreie Wohnungen.

Und: „Die Strukturen müssen angepasst und verbessert werden. Das beginnt mit der Vernetzung aller beteiligten Institutionen in der Stadt. Der Pflegende und der Angehörige sollten ein Netz vorfinden, in dem sie aufgefangen werden.“

Genau hieran arbeitet Bürgermeisterin Kaufmann momentan: „Dazu gilt es eine kommunale Pflegeplanung ins Leben zu rufen, die genau diese häuslichen Pflegebedarfe zum einen ermöglicht und zum anderen eine Vernetzung mit Hilfe von Pflegeberatung schafft.“ Wann die Einrichtung startet, ist noch offen.

Als größtes Problem sieht Frau Kaufmann den Fachkräftemangel im Pflegesektor und warnt davor, die Pflegerausbildung zu vernachlässigen.

Trotzdem sei die Stadt insgesamt gut bei der Pflege aufgestellt. Immerhin gibt es aktuell 110 ambulante Pflegedienste und 59 Pflegeheime. Auch hier Tendenz steigend.

Meine Meinung: "Pläne für die Pflege"

TAG24-Redakteur Dominik Brüggemann fordert mehr Anerkennung für Pfleger.
TAG24-Redakteur Dominik Brüggemann fordert mehr Anerkennung für Pfleger.

Was ist uns würdevolle Pflege wert? Diese Debatte muss auch in Dresden geführt werden.

Der Anteil der Senioren in der Stadt wird stetig steigen. Auch wegen der guten Infrastruktur, der Nähe zu Fachärzten. Prognosen besagen, Dresdens Bevölkerung wächst rasant, soll spätestens bis 2030 auf über 600.000 Einwohner klettern.

Die Folge: Mehr Menschen, speziell Senioren, werden zwangsläufig auf Pflege angewiesen sein. Gleichzeitig fehlt es zunehmend an Fachkräften, die sich hauptberuflich um pflegebedürftige Menschen kümmern wollen.

Kein Wunder: Die für unsere alternde Gesellschaft so wichtigen Pfleger bekommen nicht nur verhältnismäßig wenig Lohn, sondern auch wenig Anerkennung.

Der Alltag in Pflegeheimen und in der ambulanten Pflege ist meist hektisch, auf schnelle Aufgabenerledigung ausgelegt. Gleichzeitig hat jeder Mensch das Recht auf würdevolles Altern, unabhängig von eng getakteten Pflegeplänen.

Die Stadt Dresden plant eine kommunale Pflegeplanung, will die Beteiligten im Pflegesektor besser vernetzen. Das ist ein wichtiger Anfang. Der Fachkräftemangel im Pflegesektor wird so aber noch lange nicht behoben.


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