Der Wolf wird jetzt Chefsache in Sachsen: Eigene Landesstelle gegründet

Dresden/Deutschenbora - Der Wolf wird im Freistaat Chefsache: Sachsen übernimmt das Wolfsmanagement, richtet eine neue "Wolfs-Zentrale" in Deutschenbora ein. Das hat viel damit zu tun, dass der Wolf mittlerweile in ganz Sachsen heimisch ist.

160 bis 200 Wölfe soll es derzeit in Sachsen geben. Tendenz steigend.
160 bis 200 Wölfe soll es derzeit in Sachsen geben. Tendenz steigend.  © 123RF

Rissbegutachtung, Tierhalterberatung, Förderung und wesentliche Teile der Öffentlichkeitsarbeit werden sachsenweit ab Mai beim Freistaat gebündelt - in der neuen Fachstelle Wolf beim Landesumweltamt.

Das kündigte Umweltminister Thomas Schmidt (58, CDU) an. Die Neustrukturierung ist auch in der neuen Wolfsverordnung festgeschrieben, die aufgeweichte Kriterien für einen Abschuss von Wölfen vorsieht (TAG24 berichtete).

Bislang war der Kreis Görlitz mit seinem Wolfsbüro in Rietschen zuständig, finanziert vom Freistaat. In Ostsachsen tauchten auch die ersten Wölfe auf.

"Das ist aber nicht mehr zeitgemäß", so der Minister. In ganz Sachsen gebe es mittlerweile Wölfe. Nun wird die Stelle am Autobahndreieck Nossen angesiedelt, mit sechs Stellen. Drei Mitarbeiter wechseln von Rietschen dorthin.

Kompetenzzentrum in Rietschen geplant

Umweltminister Thomas Schmidt (58, CDU).
Umweltminister Thomas Schmidt (58, CDU).  © Holm Helis

"Das wird insbesondere einen schnellen Einsatz der Rissbegutachter überall in Sachsen ermöglichen", so ein Ministeriumssprecher. Standort ist nach TAG24-Infos das frühere Gebäude der Autobahnpolizei in Deutschenbora.

Die neue Stelle wird auch eine zentrale ständige Rufbereitschaft anbieten. Dort können z.B. gerissene Tiere gemeldet werden. Bislang gab es Kritik an der Erreichbarkeit.

Für Abschüsse und Vergrämung bleiben die Behörden in den Landkreisen zuständig. Schmidt: "Wir sind davon überzeugt, dass eine Ortskenntnis vorhanden sein muss, um eine solche Entscheidung zu fällen."

In Rietschen soll ab Juli ein Kompetenzzentrum mit den Schwerpunkten Umweltbildung zum Wolf entstehen.

Wie gefährlich sind Wölfe wirklich für Menschen?

Schäfer Felix Wagner nach einem Wolfsangriff im Herbst 2018 in der Oberlausitz. Auch darum kümmert sich die neue Stelle.
Schäfer Felix Wagner nach einem Wolfsangriff im Herbst 2018 in der Oberlausitz. Auch darum kümmert sich die neue Stelle.  © Andre Schulze

Im Märchen macht sich der Wolf genussvoll über "Rotkäppchen" und deren Großmutter her. In der Realität ist die Gefahr für Menschen minimal.

Frank Faß, Leiter des Wolfcenters in Dörvchen (Niedersachsen): "Wir haben mittlerweile mehr als 70 Rudel in Deutschland, das lässt mit Paaren und Einzelgängern sowie umherwandernden Jährlingen auf bundesweit ungefähr 1000 Tiere schließen. Dabei hat es keinen einzigen nachgewiesenen Wolfsangriff auf Menschen gegeben, obwohl wir leichte Beute wären."

Laut Fachjournalistin Elli H. Radinger liegt das auch in der Natur der Tiere. Wolfseltern brächten ihrem Nachwuchs bei, was sichere Nahrung sei. "Wir bewegen uns anders, als ihre 'normale' Beute: Wir laufen selbstbewusst und vor allem aufrecht", erklärt sie.

"Auch Bären richten sich manchmal auf, und Wölfe meiden Bären." Trotzdem rät Wolfsexperte Fraß: "Wenn einzelne Tiere doch auffällig gegenüber Menschen werden, müssen sie vergrämt und notfalls sogar getötet werden."

Das ehemalige Gebäude der Autobahnpolizei in Deutschenbora. Hier soll nach TAG24-Infos die neue Fachstelle Wolf einziehen.
Das ehemalige Gebäude der Autobahnpolizei in Deutschenbora. Hier soll nach TAG24-Infos die neue Fachstelle Wolf einziehen.  © Eric Münch
Wolfs Revier statt Polizeirevier, heißt es künftig in dem Ortsteil von Nossen.
Wolfs Revier statt Polizeirevier, heißt es künftig in dem Ortsteil von Nossen.  © Eric Münch

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