Dieser Kunstgenuss macht sprachlos! Gemäldegalerie Alte Meister erstrahlt in neuem Glanz

Dresden - Diese Fülle! Diese Pracht! Nach siebenjähriger Sanierung des Semperbaus am Zwinger präsentiert sich die Gemäldegalerie Alte Meister in einer sinnlich-barocken Üppigkeit, die sprachlos macht.

Monumentale Skulpturen - hier der Herkules Farnese - vor üppig-barocker Gemälde-Hängung: So präsentiert sich die Gemäldegalerie Alte Meister.
Monumentale Skulpturen - hier der Herkules Farnese - vor üppig-barocker Gemälde-Hängung: So präsentiert sich die Gemäldegalerie Alte Meister.  © Eric Münch

Das innovative Konzept: Erstmals stehen die weltberühmten Bilder im direkten Dialog mit der Skulpturensammlung bis 1800 - der Effekt ist berückend. Freitagabend wird Dresdens neues, altes Prinkstück offiziell eröffnet.

Mit der neu eingerichteten Gemäldegalerie in der sanierten Sempergalerie sind die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden wahrlich um eine Attraktion reicher geworden.

Generaldirektorin Marion Ackermann: "Es ist eine der beliebtesten Sammlungen der Welt, das muss man sich immer wieder klarmachen." Kaum eine andere besitze so viele Einzelwerke oder Werkgruppen, die sich derart in das kollektive Gedächtnis eingebrannt hätten.

Mit den unsichtbaren Änderungen - Klimatechnik und Brandschutz - sei man gerüstet für unsere Zeit und für die Zukunft. Ackermann: "Das eigentliche Hauptthema aber war natürlich die Inszenierung der schieren Fülle, ohne das dies nun angeberisch klingen soll."

Von dieser Fülle schwärmt auch Stephan Koja, Direktor der Gemäldegalerie Alte Meister und der Skulpturensammlung: "Besucher der Gemäldegalerie waren seit jeher überwältigt." Goethe hätte dies nach seinem ersten Besuch schon geschildert. Koja weiter: "Wir haben nicht versucht, dieses Gefühl zu mildern. Wir wollten es steigern."

Berühmte Dresdner Hängung wieder aufgegriffen

DAS Schlüsselwerk der Sammlung: Raffaels "Sixtinische Madonna".
DAS Schlüsselwerk der Sammlung: Raffaels "Sixtinische Madonna".  © Sebastian Kahnert/dpa

Dafür habe man die berühmte Dresdner Hängung - dicht an dicht, oft bis zu drei Reihen übereinander - wieder aufgegriffen. Koja: "Durch die Fülle des Bestandes können wir alle Nuancen ausspielen."

Ein neues Museum sei entstanden, mit dem Einzug der Skulpturen habe das "Schatzhaus" überdies an Opulenz und Reichtum noch hinzugewonnen.

Insgesamt bietet der Semperbau jetzt Platz für 700 Gemälde und 420 Skulpturen - so viel wie noch nie. Koja: "Uns war wichtig, für Abwechslung zu sorgen. Jedes Kabinett hat ein eigenes Thema, jeder Raum seinen eigenen Charakter. Man soll sich an jeden einzelnen erinnern."

Durch die Skulpturen finde man jetzt im ganzen Haus verteilt den Rückgriff auf die Antike. So könne man Vergleiche anstellen: "Wie haben Maler auf Bildhauer reagiert, wie Bildhauer auf Maler?"

Die gesamte Präsentation sei das Ergebnis einer vollständigen Neubewertung der Sammlung. Koja: "Jedes Gemälde wurde diskutiert und musste mitunter präsentabel gemacht werden."

Heißt im Klartext: 45 Gemälde wurden grundlegend restauriert, weitere 162 Gemälde in kleinerem Umfang. Auch wurden rund 310 Gemälderahmen überarbeitet.

Mit den farbigen Wandbespannungen sei laut Koja auch das Festliche des Palazzo zurück - wie es einst für die kurfürstlich-königlichen Sammlungen vorgesehen war: Rot für Italiener, Blau für Franzosen und Spanier, Grün für Niederländer und Deutsche.

"Spielwiesen" für Sonderausstellungen

Lichtdurchfluteter Gang mit der Créme de la créme der Skulpturensammlung.
Lichtdurchfluteter Gang mit der Créme de la créme der Skulpturensammlung.  © Eric Münch

Die dichte Hängung im üppigen Barock-Stil verfehlt ihre Wirkung nicht, fast fühlt man sich ein wenig erschlagen von der schieren Menge an Kunst, die in jedem Raum subtil aufeinander abgestimmt ist.

So ist Raffaels berühmte "Sixtinische Madonna" flankiert von anderen Altarbildern, Meisterwerke von Rembrandt und Rubens sind umringt von Arbeiten ihrer Kollegen und Schüler. Exemplarisch für die Hängung sei laut Galerie-Chef der Venezianer-Raum mit Giorgiones "Venus" als Highlight.

Betritt man die Sammlung, gerät man zunächst in die Antikenhalle mit rund 120 Skulpturen. Der Raum ist nun so zu erleben, wie von Baumeister Semper erdacht: Der Betrachter kann nach rechts auf den Zwinger sehen, nach links auf den Theaterplatz - ganz neue Perspektiven eröffnen sich so.

Auch wurden zwei Flächen für Sonderausstellungen geschaffen, Koja nennt sie "Spielwiesen" für Präsentationen aus eigenem Bestand sowie Leihgaben. Den Anfang macht Giambolognas "Dresdner Mars".

Keine Frage: Die neuen Alten Meister sind atemberaubend.

Durch den Einsatz von Tageslicht wird deutlich, welche von Canalettos Dresden-Ansichten schon restauriert sind.
Durch den Einsatz von Tageslicht wird deutlich, welche von Canalettos Dresden-Ansichten schon restauriert sind.  © Eric Münch
Das Ölgemälde "Schlummernde Venus" von Giorgione.
Das Ölgemälde "Schlummernde Venus" von Giorgione.  © Sebastian Kahnert/dpa
Galerie-Chef Stephan Koja führt durch die Ausstellungsräume.
Galerie-Chef Stephan Koja führt durch die Ausstellungsräume.  © Staatliche Kunstsammlungen Dresden/Oliver Killig

Titelfoto: Eric Münch, Sebastian Kahnert/dpa

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