Digitale DVB: So krass verändern sich Bus und Bahn in naher Zukunft

Dresden - Automatisch fahrende Busse, Sensoren, die in der Bahn erkennen, ob sich eine Schlägerei anbahnt. USB-Anschlüsse an jedem Sitzplatz, digitale Kollisionswarner und mit Tablets ausgestattete Fahrer. Die Digitalisierung wird Dresdens Busse und Bahnen in den nächsten Jahren gehörig verändern.

Im Herbst 2017 testeten die DVB bereits einen fahrerlosen Bus.
Im Herbst 2017 testeten die DVB bereits einen fahrerlosen Bus.  © Steffen Füssel

Das erinnert schwer an Robocop: Sensoren sollen in den Straßenbahnen der Zukunft aus den Bewegungsmustern der anonymisierten Fahrgäste erkennen, ob sich eine Schlägerei anbahnt. Im Ernstfall würde zuerst mit direkter Beleuchtung und Durchsagen reagiert, notfalls die Polizei gerufen.

Zukunftsmusik? Nein! DVB-Technikchef Andreas Hemmersbach (49): "Solche Systeme haben wir sehr im Auge, wir schauen uns die Marktentwicklung an und können uns einen Einsatz vorstellen."

In anderen Ländern sind etwa bereits Systeme im Einsatz, die Bewegungsmuster von Betrunkenen und potenziellen Selbstmördern im Haltestellenbereich rechtzeitig analysieren.

Weiter geplant: ein vorsichtiges Herantasten an autonomes und automatisches Fahren. DVB-Betriebs-Chef Lars Seiffert (48): "Denkbar ist ein automatisches Fahren auf den letzten Metern in die Bushaltestelle und auf dem Betriebshof."

Durch Überwachungssysteme sollen Schlägereien schnell erkannt werden.
Durch Überwachungssysteme sollen Schlägereien schnell erkannt werden.  © Ove Landgraf

Busse sollen so exakt an der immer gleichen Stelle halten und nicht mehr an Bordsteinkanten schrammen. Aktuell testen die DVB beispielsweise auf dem Betriebshof in Trachenberge mit künstlichen Hindernissen automatische Bremssysteme für Bahnen.

Zukünftig soll auch in Echtzeit erfasst werden, wie viele Fahrgäste auf welchen Plätzen sitzen. Dadurch könnte über die Beleuchtung der Bahnen angezeigt werden, wo die Bahn wie voll ist.

Außerdem könnten Fahrgäste zukünftig per App auf weniger belegte Bahnen umgeleitet werden. Neue Strabas und wahrscheinlich auch Busse werden mit WLAN ausgestattet. Die Stadtbahnwagen bekommen zudem USB-Ladeanschlüsse.

Fahrer werden bereits in den nächsten Jahren mit Tablets ausgestattet. Technikprobleme können dann in die Zentrale gefunkt werden, bei der Einfahrt der Bahn wird sofort repariert. Fundsachen würden augenblicklich fotografiert und wären Minuten später zuordenbar.

Dennoch wollen die DVB nicht jeden Trend mitgehen. Hemmersbach: "Wir werden keine Datenkrake. Wir nehmen Datenschutz sehr ernst und zögern, wann immer der in Gefahr sein könnte."

Steuern in eine digitale Zukunft: die DVB-Bosse Andreas Hemmersbach (49, l.) und Lars Seiffert (48).
Steuern in eine digitale Zukunft: die DVB-Bosse Andreas Hemmersbach (49, l.) und Lars Seiffert (48).  © Norbert Neumann
Die neuen Stadtbahnwagen (Grafik) werden mit WLAN, USB-Anschlüssen und neuem Lichtkonzept ausgestattet.
Die neuen Stadtbahnwagen (Grafik) werden mit WLAN, USB-Anschlüssen und neuem Lichtkonzept ausgestattet.  © Foto/Grafik DVB
Bislang testeten die DVB aktive Bremshilfen nur auf dem Betriebshof.
Bislang testeten die DVB aktive Bremshilfen nur auf dem Betriebshof.  © Steffen Füssel