Dresden: Sie parkten mit 95 Handgranaten im Kofferraum vorm Hauptbahnhof, Prozess gestartet

Dresden - Kein Geld, kein Sprit und wohl auch kein erlaubter Parkplatz: Als die beiden Bosnier Dino S. (29) und Emil A. (17) am 18. Februar hinter dem Dresdner Hauptbahnhof strandeten, wurden sie nur durch mehrere Zufälle beim Waffenschmuggel im ganz großen Stil erwischt (TAG24 berichtete). Am Mittwoch begann der Prozess gegen die beiden vor dem Dresdner Landgericht.

Der Prozess begann am Mittwoch.
Der Prozess begann am Mittwoch.  © Thomas Türpe

95 Handgranaten, vier vollautomatische Gewehre, acht Pistolen und 261 Patronen - vor Gericht wollten weder Dino noch Emil über den Umfang ihrer gefährlichen Fracht gewusst haben. Beide gestanden, dass sie wussten, dass sie etwas Illegales schmuggelten, Dino gab auch zu, dass er von Waffen wusste.

Dabei ist seine Fahrweise einer der Gründe, warum die beiden jetzt überhaupt in U-Haft sitzen. Nach eigener Aussage hatte er 250 Euro für Sprit seinen Auftraggebern bekommen, immerhin bis nach Dresden kam er damit.

Von dem Peilsender, den die Hintermänner in dem rollenden Waffenlager angebracht hatte, will er nichts gewusst haben. Verwunderlich, denn mehrfach riefen diese bei ihm an, dass er spritsparender fahren soll.

Als in Dresden nun der Tank zu Neige ging, fuhren die beiden an den Hauptbahnhof, wollten sich Geld über "Wester Union" schicken lassen. "Uns fiel der relativ hochwertige Mercedes im Parkverbot" so ein Bundespolizist. "Die beiden Personen passten nicht wirklich dazu."

Emil A. (17) droht keine Haft

In Handschellen wurden die Angeklagten ins Gericht geführt.
In Handschellen wurden die Angeklagten ins Gericht geführt.  © Thomas Türpe

So kam es zur Kontrolle, laut geltendem Recht dürfen Bosnier sich allerdings nur in Deutschland aufhalten, wenn sie auch Geld dabei haben.

Panisch versuchte Dino vermeintliche Verwandte zu kontaktieren. Wieder Pech, dass er dazu ausgerechnet einen polizeibekannten Drogenschmuggler kontaktierte.

So ließen die Ermittler den Spürhund kommen, der im Kofferraum anschlug. Offenbar hatten da die 3,6 Gramm Marihuana gelegen, die später bei Emil gefunden wurden. Laut Anklage seine Bezahlung für den Beifahrerdienst.

Hinter der Verkleidung fanden sich aber dann zunächst keine Drogen, sondern 17 Handgranaten. "Ich musste mich erstmal sammeln", so der verdutzte Polizist vor Gericht. "Wir haben mit allem gerechnet, aber nicht damit."

Der Prozess wird fortgesetzt, bei geständiger Einlassung erwarten Dino bis zu vier Jahre und drei Monate Haft, Emil sechs bis neun Monate Jugendstrafe. Da der Schüler aber bereits seit Februar hinter Gittern sitzt, würde er nach dem Urteil wohl wieder freikommen.

Am 18. Februar parkten die Verdächtigen hinter dem Dresdner Hauptbahnhof.
Am 18. Februar parkten die Verdächtigen hinter dem Dresdner Hauptbahnhof.  © Roland Halkasch

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