Dresdner Bäcker ächzen über neue Bonregel, nur einer nicht

Dresden - Ob beim Bäcker, am Imbiss oder an der Glühweinbude - seit Jahresbeginn müssen Händler zu jedem Kauf einen Bon anbieten. Die Folge: In vielen Geschäften ringeln sich lange Papierschlagen an der Kasse. Denn kaum ein Kunde will den Zahlungsbeleg mitnehmen.

Auch wenn nur ein Brötchen gekauft wird, muss ein Bon ausgedruckt werden.
Auch wenn nur ein Brötchen gekauft wird, muss ein Bon ausgedruckt werden.  © dpa/Jan Woitas

In einer Filiale der Bäckerei Möbius ärgert sich Verkäufer Klaus Barche über die "sinnlose Zettelwirtschaft".

Wo früher eine Papierrolle in der Kasse drei bis fünf Tage reichte, wird jetzt mindestens eine pro Tag bedruckt. "Es nervt uns, es nervt die Kunden", sagt er.

"Ich halte das für Quatsch", sagt eine junge Kundin. Zwei Bauarbeiter, die sich Suppe zum Mittagessen holen, schütteln die Köpfe. "Typisch Deutschland", lautet ihr Kommentar.

Der Bernsdorfer Bäckermeister und Präsident des Sächsischen Handwerkstages, Roland Ermer, weigert sich sogar, Bons auszudrucken, wenn die Kunden diese ausdrücklich nicht wollen.

"Da leiste ich zivilen Ungehorsam", sagt er. Claudia Reichenbächer aus der gleichnamigen Fleischerei kann die Aufregung nicht verstehen.

"Wir haben eine elektronische Kasse und drucken den Bon ohnehin immer aus", sagt sie. Die meisten davon landen aber im Müll.

Bäcker Marlon Gnauck nutzt einen besonderen Trick

Klaus Barche sammelt die ausgedruckten Bons in einer Box.
Klaus Barche sammelt die ausgedruckten Bons in einer Box.  © dpa/Sebastian Kahnert

Dass es auch anders geht, zeigt Marlon Gnauck in seiner Bäckerei in Ottendorf-Okrilla. Einen Papierkorb voller Bons sucht man dort vergeblich. An seiner Kasse wird automatisch ein QR-Code generiert und auf dem Display angezeigt. Den können die Kunden mit der Kamera ihres Handys scannen.

Dort erscheint daraufhin ein Bildschirm mit einer Zeile, in der man seine Mailadresse eintragen kann. Dann erhält man den Beleg elektronisch zugeschickt.

Bisher sei das aber nur von wenigen Kunden aus reinem Interesse an der Technik ausprobiert worden, erzählt Gnauck.

Wie viel genau den Service nutzen, weiß er allerdings nicht. Denn die Daten landen nicht bei ihm, sondern beim Anbieter der Kassensoftware aus Dresden.

Anders als viele seiner Kollegen begrüßt Gnauck die Bonpflicht. "Das dient der Steuergerechtigkeit und ist mit einer modernen Kasse mit moderner Software kein Problem", sagt er.

Das Verschicken des Bons per Mail ist auch gesetzlich zulässig, bestätigt das sächsische Finanzministerium. Auf Wunsch erhalten die Kunden übrigens weiter einen Bon aus Papier.

Bei Bäcker Marlon Gnauck kann man einen QR-Code scannen und bekommt den Bon per Mail.
Bei Bäcker Marlon Gnauck kann man einen QR-Code scannen und bekommt den Bon per Mail.  © Steffen Füssel
In vielen Bäckereien bleiben die Bons einfach liegen.
In vielen Bäckereien bleiben die Bons einfach liegen.  © dpa/Jan Woitas

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