Dresdner Stasi-Gefängnis "verhaftet" Besucher

Dresden - Die Zeit, in der die Stasi an der Bautzner Straße Andersdenkende einsperrte, ist zum Glück lange vorbei. Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Friedlichen Revolution entführt die dortige Gedenkstätte ihre Besucher Montag und Dienstag mit dem begehbaren Hörspiel "Guten Tag! Sie sind verhaftet!" dahin zurück.

Das Dresdner Künstlerpaar Harriet Maria und Peter Meining (r.) hat das Hörspiel gemeinsam mit Sounddesigner Nikolaus Woernle (M.) entwickelt.
Das Dresdner Künstlerpaar Harriet Maria und Peter Meining (r.) hat das Hörspiel gemeinsam mit Sounddesigner Nikolaus Woernle (M.) entwickelt.  © Amac Garbe

Man bekommt Kopfhörer und ein kleines Gerät um den Hals gehängt und fühlt sich zunächst wie bei einer normalen Audio-Führung.

Dann geht es los. In Zweiergruppen, die im Abstand von vier Minuten losgeschickt werden, geht es zum Startpunkt in der Fahrzeugschleuse.

Es folgen 40 intensive Minuten, in denen man stellvertretend das Grauen der Diktatur durchläuft. Man begleitet einen jungen Mann, der in die Fänge der Staatssicherheit geraten ist, auf dem Weg durch die Haftanstalt. Dort trifft er auf Aufseher und Mithäftlinge, wird von einem Stasi-Offizier verhört und erhält Post von Angehörigen.

Während man den Erzählungen lauscht, schweift der Blick unweigerlich durch die kargen Räume, in denen es stickig nach Vergangenheit riecht. Geräusche und der Umstand, dass man fast allein ist, verstärken deren Wirkung. Dann kommt die Revolution.

"Wir wollten den Opfern eine Stimme geben", sagt der Dresdner Künstler Peter Meining. Gemeinsam mit seiner Frau Harriet Maria hat er das Hörspiel geschrieben. Dessen Handlung ist zwar fiktiv, aber an reale Personen und Ereignisse angelehnt.

Erleben kann man es nur am heutigen Montag und morgigen Dienstag jeweils zwischen 19 und 22 Uhr. Letzter Einlass ist 21 Uhr.

Bis zu 15.000 Gefangene haben hier gelitten

Im 19. Jahrhundert als Papier- und Kartonagenfabrik gebaut, beherbergte der Gebäudekomplex an der Bautzner Straße von 1953 bis 1989 die Bezirksverwaltung und eine Untersuchungshaftanstalt der Stasi. In dieser Zeit wurden dort zwischen 12.000 und 15.000 Menschen inhaftiert, hauptsächlich aus politischen Gründen.

Am 5. Dezember 1989 besetzten Demonstranten die Gebäude. 1994 wurde das Haus unter Denkmalschutz gestellt, drei Jahre später öffnete die Gedenkstätte.

Diese ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Neben der Bezirksverwaltung und Haftanstalt kann auch das sowjetische Kellergefängnis besichtigt werden.

In einer Zelle wie dieser sitzt auch der Protagonist des Hörspiels.
In einer Zelle wie dieser sitzt auch der Protagonist des Hörspiels.  © Amac Garbe
Zwischen 12.000 und 15.000 Menschen waren bis 1989 in den Zellen des Stasi-Knasts inhaftiert.
Zwischen 12.000 und 15.000 Menschen waren bis 1989 in den Zellen des Stasi-Knasts inhaftiert.  © Amac Garbe
Über die Kopfhörer taucht man für etwa 40 Minuten in die Welt der Diktatur ein.
Über die Kopfhörer taucht man für etwa 40 Minuten in die Welt der Diktatur ein.  © Amac Garbe

Mehr zum Thema Dresden:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0