Viele Kinder ohne Empfehlung fürs Gymnasium: In Dresden hängt Bildung an der Herkunft

Dresden - Jeder siebte Dresdner verlässt die Schule mit einem Hauptschulabschluss oder ganz ohne. Das ist ein Ergebnis des dritten Dresdner Bildungsberichts. Und das ist nicht die einzige schlechte Nachricht in der über 500 Seiten starken Analyse. Denn nach wie vor hat die soziale Herkunft den größten Einfluss auf die Bildungs-Chancen.

In Dresden ist Bildungserfolg eine Frage der Herkunft.
In Dresden ist Bildungserfolg eine Frage der Herkunft.  © imago images/photothek

Wer aus armutsgefährdeten oder bildungsfernen Familien kommt, hat damit schlechtere Aussichten auf einen Aufstieg durch Bildung, so ein Ergebnis.

Das gleiche gilt für Kinder mit Migrationshintergrund, vor allem wenn diese in einem prekären Umfeld leben.

Die Kitas und Schulen ändern daran bislang wenig. Der Grund: Die Bildungseinrichtungen sind wenig durchmischt. Dadurch verstärken sich die Benachteiligungen sogar noch. Das führt dazu, dass in Vierteln wie Gorbitz und Prohlis im Schnitt 60 Prozent der Schüler keine Empfehlung für das Gymnasium erhalten. In Loschwitz und Gompitz ist der Wert nur halb so hoch.

"Es gibt keine kurzfristige Lösung, aber Steuerungsmöglichkeiten", sagt Sachbearbeiterin Antje Jahn (40). Dafür müsse allerdings bei den Kleinsten angesetzt werden. Denn bereits Vierjährige kämen mit unterschiedlichen Voraussetzungen in die Kitas.

"Es ist erreichbar, dass jedes Kind, das in die Schule kommt, laufen, schwimmen, Rad fahren und Purzelbaum schlagen kann", sagt Finanzbürgermeister Peter Lames (55, SPD), der derzeit kommissarisch das Bildungsressort leitet. Er will deshalb jenen Kitas mehr Geld zur Verfügung stellen, bei denen der Bedarf für zusätzliche Angebote am größten ist.

Doch dafür braucht es Geld. Der Stadtrat hat aber kürzlich beschlossen, dass die Kita-Gebühren nicht steigen sollen. "So werden Millionen verpulvert zulasten des Bildungsangebotes", schimpft Lames und spricht von einem "Irrweg".

Mehr Kinder kommen dadurch auch nicht in die Kitas. Für fast jedes dritte Kind werde nämlich bereits jetzt nur ein stark ermäßigter oder gar kein Beitrag gezahlt, sagt er.

Mit Migrationshintergrund sind die Bildungs-Chancen oft schlechter.
Mit Migrationshintergrund sind die Bildungs-Chancen oft schlechter.  © imago images/photothek
Peter Lames (55, SPD) will die Angebote in den Kitas verbessern. Doch das kostet.
Peter Lames (55, SPD) will die Angebote in den Kitas verbessern. Doch das kostet.  © imago images/Sven Ellger

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