Drohendes Atommüll-Endlager: Sachsen-Minister warnt vor Risiken

Umweltminister Thomas Schmidt (55, CDU) warnt vor Risiken bei der Endlagersuche.
Umweltminister Thomas Schmidt (55, CDU) warnt vor Risiken bei der Endlagersuche.

Von Torsten Hilscher

Dresden - Wohin mit dem ganzen Atommüll? Bei der Suche nach einem ewigen Endlager für Deutschland haben Experten (und solche, die sich dafür halten) jetzt den nächsten Schritt getan: Vereint in einer Kommission tagten sie zwei Jahre lang und produzierten einen Abschlussbericht.

Damit jedoch sind einige Beteiligte unzufrieden, darunter das Land Sachsen.

Der Bericht sei nicht ausgewogen, sagt Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt (55, CDU). Zum Beispiel beim Thema Gorleben: Obwohl sich die Kommission für eine neutrale Standortbetrachtung entschlossen habe, sei das jetzige Endlager Gorleben ausgeklammert worden.

Für Schmidt aber noch schwerwiegender ist die „unausgewogene“ Bewertung von Granit.

Hintergrund: In Deutschland soll Atommüll in Bergwerken gelagert werden. Dafür kommen Formationen aus Ton, Salz oder eben Granit in Frage.

Wenn es um Atommülllager geht, gibt es regelmäßig Proteste. Hier in Gorleben.
Wenn es um Atommülllager geht, gibt es regelmäßig Proteste. Hier in Gorleben.

Doch anders als Ton oder Salz, die gleichmäßig dicht sind, kann Granit feinste Risse aufweisen, so Joachim Kudla von der Bergakademie Freiberg. Das sei riskant. Immerhin soll das gesuchte Endlager eine Million Jahre dicht halten.

Kudla war für Sachsen am Bericht beteiligt. An seiner Seite übrigens auch Kirchenvertreter ...

Kudla und Schmidt weiter: Granitformationen wären nur geeignet, wenn eine „Mächtigkeit“ von 100 Metern gegeben ist. Der Müll also mindestens so tief lagert. Diesen Wert habe aber die Kommission einfach aufgeweicht.

Dass Schweden und Finnland in geringerer Tiefe Granitlager nutzen, sei etwas anderes: dort würden „dickere Fässer“ als hierzulande verwendet. Außerdem hätten die Skandinavier nur Granit, so Schmidt.

Wie weiter in Deutschland? Am Dienstag wird der Bericht dem Bundestag übergeben. Dann muss ein Gesetz geschaffen werden. Dann werden Standorte gesucht, diese dann untersucht, breite Bürgerbeteiligung folgt.

In Betrieb wird das Endlager erst in einigen Jahrzehnten gehen. So um 2050.

Das sogenannte Erkundungsbergwerk Gorleben.
Das sogenannte Erkundungsbergwerk Gorleben.

Fotos: dpa


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