Dynamo: Ist der Stadion-Rückkauf überhaupt möglich?

„Eine Rekommunalisierung hätte Vorteile“, sagt Dynamo-Geschäftsführer Robert Schäfer (39).
„Eine Rekommunalisierung hätte Vorteile“, sagt Dynamo-Geschäftsführer Robert Schäfer (39).

Von Dirk Hein

Dresden - Die Stadt soll das Dynamo-Stadion zurückkaufen. Der Plan von Linken, Grünen und SPD elektrisiert Sportsfreunde, Dynamo-Manager und Politiker gleichermaßen.

Dynamo-Geschäftsführer Robert Schäfer (39): "Wir gehen davon aus, dass eine Rekommunalisierung Vorteile für uns hätte. Wenn sich solche Pläne konkretisieren, unterstützen wir das natürlich."

Die CDU signalisiert Zustimmung. Peter Krüger (55, CDU), finanzpolitischer Sprecher und Mitglied im Sportausschuss: "Die Idee ist nicht verkehrt. Es ist aber ein ganz dickes Brett, was wir zu bohren haben."

Trotz Millionenlochs im Haushalt muss Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (52, CDU) wohl schon bald Geld für den Stadionrückkauf einplanen.
Trotz Millionenlochs im Haushalt muss Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (52, CDU) wohl schon bald Geld für den Stadionrückkauf einplanen.

Krügers Vorschlag: Der Rückkauf soll in der mittelfristigen Finanzplanung der Stadt verankert werden.

"Nach Kraftwerk Mitte, Kulti und der neuen Stadtbahn-Trasse könnte der Stadion-Rückkauf das neue Großprojekt der Stadt werden."

Auch die FDP/FB-Fraktion zeigt Interesse. "Die Verträge müssen rechtssicher überarbeitet werden, wir sind für Gespräche bereit. Wir bezweifeln aber, dass ein vermutlich teurer Rückkauf angesichts der aktuellen Haushaltssituation die beste Lösung ist", so Jens Genschmar (47).

"Das Hauptproblem beim Dynamo-Stadion ist, dass die Stadt das volle Kostenrisiko übernommen hat. Vor diesem Hintergrund ist der Betrieb des Stadions in Eigenverantwortung sinnvoll", sagt Jörg Urban (51, AfD).

Die Stadt selbst scheint weniger begeistert.

"Zum Stadion-Rückkauf äußern wir uns nicht, da wir den Vorschlag gegenwärtig nur aus der Presse kennen. Wenn die Idee konkret an die Verwaltung heran getragen wird, werden wir die Umsetzung prüfen", so ein Rathaussprecher.

Das spricht dagegen

Alle sind angetan vom Rückkaufplan, nur die Stadtverwaltung mährt noch rum.
Alle sind angetan vom Rückkaufplan, nur die Stadtverwaltung mährt noch rum.

Über Jahre war das Auslagern im Rathaus Trumpf. Die Bäder GmbH wurde aus dem Sportstätten-Eigenbetrieb herausgelöst. Die Städtischen Klinken sollten eine gGmbH werden, die Woba wurde verkauft. Jetzt die Kehrtwende.

Doch die könnte teuer werden. Die Stadt hat kaum Argumente, warum die Projektgesellschaft den Stadionbetrieb freiwillig hergeben sollte. Da müssten schon Millionen als "Abfindung" fließen.

Außerdem bleibt ein weiteres Problem: Dynamo Dresden ist in der Landeshauptstadt zwar heiß geliebt - ist aber dennoch eben (auch) ein Wirtschaftsunternehmen. Von daher gehört bei den Stadionkosten auch die Sportgemeinschaft in die Pflicht.

Das spricht dafür

Das Rathaus Dresden.
Das Rathaus Dresden.

Die Befürworter des Stadion-Rückkaufes argumentieren vor allem damit, dass 500.000 Euro Betriebskosten jährlich eingesparte werden können.

Dass soll möglich werden, indem Rathaus-Resourcen etwa für Buchhaltung und Geschäftsführung, aber auch für Hausmeistertätigkeiten mitgenutzt werden können. Vor allem kann die Stadt diese Verträge selbst kontrollieren und eventuell neu abschließen.

Aktuell wird einfach ein Zuschuss an die Projektgesellschaft gezahlt - wie das Geld konkret ausgegeben wird, ist für die Stadträte aber alles andere als transparent.

Die Stadt bekäme mehr Mitspracherechte und mehr Planungssicherheit.

Stadion zurückkaufen? Das sagen die Dynamo-Fans

Von Hermann Tydecks

Kneipenwirt René Ackermann (42, "Ackis’s Sportsbar")
"Ja, das fände ich Weltklasse! Das Stadion gehört zu Dresden und sollte darum auch der Stadt gehören. Und nicht irgendwelchen privaten Dritten!"

Sandra Wilhelm (40), Bürokauffrau
"Das Stadion sollte idealerweise dem Verein gehören. Es wäre aber gut, wenn es die Stadt übernimmt. Ich denke, dass dann weitere tolle Konzerte mit Helene Fischer oder Herbert Grönemeyer leichter organisierbar sind."

Stefan Illing (25), Koch
"Ja, denn das Stadion ist Aushängeschild der Stadt. Bestenfalls sollte es dem Verein gehören. So oder so: Zukünftig sollten solche Unfälle wie der Name ,Glücksgas-Stadion‘ vermieden werden. Und wenn schon ein Sponsor, dann wenigstens einer aus der Region."

Klaus Serbe (71), Rentner
"Ich fänd’s super, wenn das Stadion wieder der Stadt gehört. Ich würde mir auch wünschen, dass es das Rathaus wieder in den legendären alten Namen Rudolf-Harbig-Stadion umbenennt!"

Christian Kabs (42), Jugendsozialarbeiter beim Verein "Fanprojekt Dresden"
"Ja! Ich glaube, es wäre sinnvoll, da es dann weniger Akteure am Verhandlungstisch gäbe. Es blieben dann nur noch Stadt und Verein, was die Ausgestaltung der Stadionverträge erleichtern würde."

Fotos: dpa, Holm Helis, Eric Münch, Norbert Neumann, Thomas Eisenhuth


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