Einst verpönt, jetzt gefördert: Dresden plant Geldspritze für Graffiti-Sprayer

Dresden - Obwohl Dresden eine gut vernetzte, etwa 100 Künstler starke UrbanArt-Szene hat, gilt die Graffiti-Kunst im Rathaus oft noch als verpönt. Das soll sich jetzt ändern.

Dresden ist bunt - und bald noch bunter: Rathaus-Politiker Torsten Schulze (49, Grüne) kämpft für "UrbanArt" aus der Spraydose.
Dresden ist bunt - und bald noch bunter: Rathaus-Politiker Torsten Schulze (49, Grüne) kämpft für "UrbanArt" aus der Spraydose.  © Petra Hornig

Seit fünf Jahren arbeitet die Stadt an einem knapp 350.000 Euro schweren Masterplan für Spray-Kunst. Der steht jetzt kurz vor der Fertigstellung.

Wichtigste Details: Dresden will so bald wie möglich für mindestens drei Jahre 115.000 Euro pro Jahr in die Straßenkunst investieren. Konkret soll als erster Schritt eine mit zwei Mitarbeitern besetzte "Fachstelle UrbanArt" gegründet werden. So können Künstler und Eigentümer freier Spray-Flächen zusammen gebracht werden, Fördertöpfe sollen aufgezeigt und angezapft werden.

Die Stadt will zudem viel stärker als bisher eigene Flächen für die Graffiti-Kunst zur Verfügung stellen. Dafür will das Rathaus laut internem Konzept weitere so genannte "legal plains" anbieten. Dort können Künstler selbst organisiert Flächen bemalen. Momentan gibt es sechs solcher Spray-Orte, etwa an der Scheune oder am Skaterpark Tolkewitz.

Die Stadt will außerdem einen Katalog mit "temporär nutzbaren Flächen" (Abrisshäuser, Brachen) aufstellen und für Künstler freigeben. Auch Lüftungsschächte, Trafohäuschen und Verteilerkästen werden auf Eignung geprüft. Ebenfalls geplant: Jährlich sollen 30 000 Euro in einzelne Kunstprojekte investiert werden.

"Eine umfangreiche Arbeit, der Stellenwert von UrbanArt als Kunst wird endlich gewürdigt", sagt Stadtrat Torsten Schulze (49, Grüne). Auf seine Initiative hin hatte der Rat 2014 die Arbeit an dem Konzept beschlossen. Schulze hofft jetzt auf eine rasche Umsetzung. "Konkret könnten bereits jetzt bei Schulneubauten Flächen reserviert werden."

An der Erstellung des Konzeptes waren auch Dresdner Künstler beteiligt. Einer davon ist Jens Besser (37), der ein durchwachsenes Fazit zieht: "Es war gut, dass unser Sachverstand gewünscht war. Besser wäre jedoch weniger Bürokratie, also maximal eine neue Stelle für Prävention und mehr Geld für neue Projekte."

Gut, aber nicht gut genug: Künstler Jens Besser (37) ist mit dem Förderpaket nur halb zufrieden.
Gut, aber nicht gut genug: Künstler Jens Besser (37) ist mit dem Förderpaket nur halb zufrieden.  © Sven Ellger

Titelfoto: Petra Hornig

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