Video-Überwachung: Wie Sachsens Kaufhäuser Kunden auszählen

Dresden - In der Vorweihnachtszeit schieben sich Massen von Menschen durch Shopping-Center und Kaufhäuser. Dass sie dabei gezählt werden, ist den wenigsten Kunden bewusst. Für die Betreiber der Einkaufstempel ist es jedoch wichtig zu wissen, wie viele Besucher wann und wo ihr Geld ausgeben.

Geht offen mit seinem Kundenzähl-System um: Elbepark-Chef Gordon Knabe versichert, dass keine Bilder gespeichert werden.
Geht offen mit seinem Kundenzähl-System um: Elbepark-Chef Gordon Knabe versichert, dass keine Bilder gespeichert werden.  © Holm Helis

Gordon Knabe ist einer der wenigen Center-Manager, die aus der Kundenzählung kein Geheimnis machen. "Wir haben oberhalb der Eingänge spezielle Videotechnik, die anhand der von oben gefilmten Köpfe und Gliedmaßen Besucher zählt", sagt der Chef des Dresdner Elbe Parks.

Weitere "Augen" gibt es in der Nähe des Infostandes. "Diese Kameras erfassen kurz das Gesicht und gleichen es mit 16.000 Datensätzen des Fraunhofer-Instituts ab - binnen vier Sekunden kann die Technik dann Geschlecht und etwaiges Alter der Kunden erkennen", erklärt Knabe. Und versichert: "Keine Aufnahme wird aufbereitet oder gespeichert - alles wird sofort wieder gelöscht!"

Für den stationären Handel würden solche Kundenfrequenz-Messungen im Wettbewerb mit der Online-Konkurrenz immer wichtiger, heißt es vom Handelsverband Deutschland. "Ohne entsprechende Besucherzahlen im Geschäft ist es sehr schwierig, ausreichend Umsatz zu generieren", weiß Sprecher Stefan Hertel.

Frequenzmessung habe auch für den Mietmarkt Potenzial, sagt Marco Atzberger vom Handelsforschungsinstitut EHI. Während derzeit Mieten häufig am Umsatz bemessen seien, werde in der Branche diskutiert, ob nicht die Anzahl der Besucher die "fairere Währung" sei.

Neben der Videotechnik setzt der Handel auch WLAN-Router zur Kundenzählung ein. Diese erfassen, wie viele Smartphones versuchen, sich zu verbinden. Mit ausreichend vielen Routern könnten so sogar Bewegungsprofile der Kunden erstellt werden, sagt Erik Maier, Professor für Handelsmanagement an der Leipziger Handelshochschule.

Allerdings stößt das auf Bedenken der Verbraucherzentrale Sachsen (VZS): Es müsse sichergestellt werden, dass auch durch das Tracking mit WLAN-Routern keine personenbezogenen Daten ohne Einwilligung der Kunden gespeichert werden, stellt VZS-Referentin Stefanie Siegert klar.

Dieses "Auge" im Elbe-Park kann sekundenschnell Geschlecht und etwaiges Alter der Kundschaft erkennen.
Dieses "Auge" im Elbe-Park kann sekundenschnell Geschlecht und etwaiges Alter der Kundschaft erkennen.  © Norbert Neumann
Ein Videosystem über dem Eingang des Shopping-Centers zählt die Besucher - im Elbepark sind es an Advents-Samstagen bis zu 52.000 pro Tag.
Ein Videosystem über dem Eingang des Shopping-Centers zählt die Besucher - im Elbepark sind es an Advents-Samstagen bis zu 52.000 pro Tag.  © Norbert Neumann

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