Nach 23 Jahren: Dresdens mächtigster Behördenchef hört auf

Dresden - Am 1. September 1996 begann Reinhard Koettnitz (64) als Amtsleiter im Straßen- und Tiefbauamt der Stadt. Am 1. Mai 2019 ist Schluss.

"Die schlimmste Löcher werden sofort geflickt", versprach Koettnitz 2006 und maß auf der Karlsruher Straße selbst nach (re.). Mindestens einmal im Jahr, zu Beginn der Winterdienstzeit, bereitete sich Koettnitz medial auf den Winter vor (li.).
"Die schlimmste Löcher werden sofort geflickt", versprach Koettnitz 2006 und maß auf der Karlsruher Straße selbst nach (re.). Mindestens einmal im Jahr, zu Beginn der Winterdienstzeit, bereitete sich Koettnitz medial auf den Winter vor (li.).  © Jörn Haufe, Ove Landgraf

OB Dirk Hilbert (47, FDP) versetzt den mächtigsten Behördenchef gegen dessen Willen ins Schulverwaltungsamt (TAG24 berichtete).

"Wir können es uns noch gar nicht vorstellen, wie es sein soll ohne den Professor", heißt es aus dem Umfeld von Koettnitz. Er selbst wurde am Mittwoch unter Applaus aus dem Bauausschuss der Stadt verabschiedet.

Koettnitz, seit 2015 Honorarprofessor an der TU Dresden, hat seinen Frieden mit dem späten Jobwechsel gemacht. "Der Drops ist gelutscht. Sie werden im Schulverwaltungsamt noch viel von mir hören." Im gleichen Atemzug sagt er jedoch: "Im Herzen bleibe ich Straßen- und Brückenbauer."

Sein vom OB initiierter Wechsel hatte größtenteils Kopfschütteln ausgelöst. Linken-Chef André Schollbach (40): "Personen werden wie Schachfiguren hin- und hergeschoben." CDU-Chef Jan Donhauser (50): "Nicht alles, was rechtlich möglich ist, ist zwischenmenschlich richtig."

Kritikern galt Koettnitz jedoch als zu starrsinnig und mächtig. Unstrittig ist die fachliche Kompetenz des 64-Jährigen. 1978 arbeitete Koettnitz als Dokumentationsingenieur in Dresden. "Meine Aufgabe war es, Kabel in Straßenbaustellen einzumessen und zu dokumentieren. Eines davon habe ich jetzt auf der Baustelle Kesselsdorfer Straße erkannt und wiedergefunden."

Seine erste Verkehrsfreigabe 1996 war der Schillerplatz, der neuen Asphalt bekommen hatte. Anschließend baute sein Amt den Bramschtunnel, den Tunnel Wiener Platz, den A 17-Zubringer entlang der Bergstraße - und die Waldschlößchenbrücke.

Weitestgehend abschließen will Koettnitz auf seinen letzten Metern die Stadtbahn-Baustellen an Kesselsdorfer und Oskarstraße. "Wie es auf der kompletten Strecke weitergeht, wird mich dennoch nie loslassen."

Letzte Baustelle an der Carolabrücke

2001 radelte der Straßenchef mit dem damaligen Ortsamtsleiter Dietrich Ewers (†79) über die wieder befahrbare Arnoldstraße in der Johannstadt.
2001 radelte der Straßenchef mit dem damaligen Ortsamtsleiter Dietrich Ewers (†79) über die wieder befahrbare Arnoldstraße in der Johannstadt.  © Günther Hübner/SZ Archiv

Eines der drängendsten Probleme beim Straßenbau momentan: Der Freistaat geizt mit Fördermitteln. Die 1,2 Millionen Euro teure Sanierung des Fußweges am Blauen Wunder zahlt die Stadt aus eigener Tasche.

Üblich waren bisher bis zu 90 Prozent Förderung. Auch bei der geplanten Sanierung der Carolabrücke floss noch kein Geld vom Freistaat.

Exakt dort will Koettnitz eines seiner letzten Projekte als Straßenbau-Amtsleiter anstoßen: Geplant ist eine gewagte Bauweise mit Carbon statt Stahl. Das verspricht eine hohe Tragfähigkeit bei wesentlich geringerem Gewicht.

Wann Koettnitz dann seinen Nachfolger einarbeitet, ist noch unklar. "Dafür war noch keine Zeit, zu viele Entscheidungen müssen noch getroffen werden."

Darf der OB keine Amts-Chefs absetzen?

2010 besuchte Amtsleiter Koettnitz das Brückenpicknick der Waldschlößchen-Bürgerinitiative.
2010 besuchte Amtsleiter Koettnitz das Brückenpicknick der Waldschlößchen-Bürgerinitiative.  © Thomas Türpe

Der Alleingang von OB Dirk Hilbert (47, FDP) bei der Absetzung von Reinhard Koettnitz (64) als Chef im Straßen- und Tiefbauamt wird jetzt zum Fall für den Stadtrat. Die Grünen planen eine "Lex Koettnitz".

Stimmt der Rat zu, müsste der OB zukünftig alle Neubesetzungen korrekt ausschreiben. Zudem dürften Amts-Chefs maximal drei Monate kommissarisch ein anderes Amt leiten.

Dauerhafte Umsetzungen ohne Ratsbeschluss, wie im Fall Koettnitz, würden ausgeschlossen. "Das Mitbestimmungsrecht des Rates darf nicht ausgehebelt werden", heißt es in dem Antrag.

Baute in Dresden fast ein Vierteljahrhundert lang Brücken und Straßen: Amtsleiter Reinhard Koettnitz (64).
Baute in Dresden fast ein Vierteljahrhundert lang Brücken und Straßen: Amtsleiter Reinhard Koettnitz (64).  © Steffen Füssel

Titelfoto: Jörn Haufe, Ove Landgraf

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