Weil das Rathaus keine Tempo-30-Zone will: Familie wendet cleveren Trick an

Dresden - Im Dresdner Westen bremsen Anwohner Raser aus: Da Autofahrer immer wieder zu schnell über die Merbitzer Straße in Mobschatz bretterten, baute eine Familie einen eigenen "Blitzer" im Vorgarten auf.

Stefanie (38) und Klaus D. (40) mit ihren Kindern Clara (6) und Klaus (4).
Stefanie (38) und Klaus D. (40) mit ihren Kindern Clara (6) und Klaus (4).  © Eric Münch

"Viele Autofahrer rasen hier einfach durch, sind viel zu schnell unterwegs", ärgert sich Unfallchirurg Klaus D. (40). "Und da hier viele Familien mit Kindern leben, die auch draußen spielen, ist das besonders gefährlich."

Trotz mehrerer Briefe und Unterschriftensammlung sah jedoch die Stadtverwaltung keine erhöhte Gefahrenlage. "Da bestellte ich eine Blitzer-Attrappe bei eBay, baute sie im Garten auf. Am Zaun haben wir dazu noch ein Freiwillig-30-Schild angebracht."

Seitdem ist es besser geworden, auch wenn einige Leute schon wieder wie früher Gas geben. Eine städtische Lösung wäre den Anwohnern weiterhin lieber: "Insofern dient die Blitzer-Attrappe auch dazu, auf einen Missstand aufmerksam zu machen", so Ortsvorsteher Maximilian Vörtler (28).

Doch eine offizielle 30-Strecke oder einen festen Blitzer installierte die Stadt bislang nicht. Stattdessen entfernte sie sogar das eigene behördliche Verkehrswarnschild (Achtung Kinder): Das war vor der Jahrtausendwende aufgestellt worden, als die Merbitzer Straße noch keine Gehwege hatte, wurde später dort "vergessen".

Wenigstens darf der Fake-Blitzer bleiben: Weder Verwaltung noch Polizei stören sich daran.

Nachdem die Mobschatzer Anwohner die Attrappe im letzten Jahr installiert hatten, baute die Verwaltung das behördliche Warn-Verkehrszeichen (Achtung Kinder) ab.
Nachdem die Mobschatzer Anwohner die Attrappe im letzten Jahr installiert hatten, baute die Verwaltung das behördliche Warn-Verkehrszeichen (Achtung Kinder) ab.