Betrunken am Steuer: Dieser Mann hat Schulamtsleiter Schmidtgen totgefahren

Dresden - Einen geliebten Menschen zu verlieren, tut weh. Doch dann zu erfahren, wie sinnlos der Tod seines Sohns war, machte es für Gunter Schmidtgen (78) noch schlimmer.

Handwerker Ralf B. (43) fuhr den Radler mit rund 1,9 Promille tot.
Handwerker Ralf B. (43) fuhr den Radler mit rund 1,9 Promille tot.

Bemüht gefasst verfolgte er Dienstag den Prozess gegen Ralf B. (43). Der hatte seinen Sohn, den Leiter des Schulverwaltungsamts, Falk Schmidtgen (†54), am 27. November im Suff totgefahren. Dabei war die Polizei bereits wegen Trunkenheit am Steuer hinter ihm her.

Am 23. Oktober 2018 waren die Mitarbeiter eines Coswiger Maschinen-Verleihs verwundert: Am Nachmittag schaffte es Ralf B. bei der Rückgabe eines Geräts nur mit viel Mühe, an das fünf Meter breite Rolltor heranzufahren, seine Unterschrift bekam er auch nur noch in Druckschrift hin.

Die Mitarbeiter riefen die Polizei, doch die kam erst an, als Ralf schon wieder zuhause war. Ein erster Alkoholtest ergab 2,97 Promille! Der selbstständige Handwerker gab an, erst nach der Fahrt getrunken zu haben.

Genau deshalb musste er am 26. November nochmal zur Polizei, was ihn allerdings nicht daran hinderte, am nächsten Tag wieder besoffen zu fahren.

So lautet das Urteil gegen Ralf B.

Vater Gunter Schmidtgen (78) kann nicht verstehen, warum sein Sohn sterben musste.
Vater Gunter Schmidtgen (78) kann nicht verstehen, warum sein Sohn sterben musste.  © Steffen Füssel

Das Rheuma soll ihn zum Trinken gebracht haben: "Ich war in Radebeul auf einer Baustelle, habe die Schmerzen ignoriert, um so schnell wie möglich fertig zu werden", sagte er aus. "14 Uhr habe ich mir eine Flasche Wein und drei kleine Flaschen Wodka geholt."

Die trank er über den Tag, setzte sich anschließend in seinen Fiat Ducato. Beim Abzweig nach Friedewald geschah es dann: "Es gab einen großen Knall", sagt er. "Ich kann mir bis heute nicht erklären, wie das kam."

Eine hinter ihm fahrende Zeugin hatte Falk Schmidtgen schon von Weitem erkannt und sich gewundert, warum der Transporter einfach nicht ausweicht. Auch der Gutachter bestätigt, dass man den Radler hätte sehen müssen.

"Er hat sein Möglichstes getan, um gesehen zu werden", sagt auch Vater Gunter Schmidtgen, der noch vor dem Urteil den Saal verließ: "Keine Strafe bringt ihn uns wieder", sagt er. "Der Prozess macht es für uns nur noch schlimmer."

Ralf B. bekam für die tödliche Suff-Fahrt zwei Jahre und fünf Monate Haft - ohne Bewährung.

Die Spuren vor Ort ergaben, dass Ralf ungebremst auf das Fahrrad auffuhr.
Die Spuren vor Ort ergaben, dass Ralf ungebremst auf das Fahrrad auffuhr.  © Tino Plunert
Der Leiter des Schulverwaltungsamts Falk Schmidtgen (†54) fuhr die Strecke fast täglich mit dem Rad.
Der Leiter des Schulverwaltungsamts Falk Schmidtgen (†54) fuhr die Strecke fast täglich mit dem Rad.  © Holm Helis

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