Auf Zeitreise unter der Brühlschen Terrasse: Festung eröffnet heute endlich wieder

Dresden - Öde Text-Tafeln waren gestern. Dresden erfindet das Museum neu - und das in den ältesten Gemäuern der Stadt.

Alles neu in Dresdens Festung: Beamer werfen Lichtbilder an die Wand, erwecken die Vergangenheit zum Leben.
Alles neu in Dresdens Festung: Beamer werfen Lichtbilder an die Wand, erwecken die Vergangenheit zum Leben.  © Thomas Türpe

Nach zwei Jahren Umbau öffnet am Samstag unter der Brühlschen Terrasse die Festung wieder ihre Tore. Dank moderner Technik erleben Besucher die Historie hautnah mit, die sich vor 500 Jahren in den Kasematten abgespielt hatte ...

Zehn Meter führt ein neuer Fahrstuhl am Brühlschen Garten Gäste in die Festung hinab. Dann einfach Audio-Kopfhörer aufsetzen und in die Vergangenheit abtauchen.

Sie hören Kurfürst Moritz von Sachsen (1521-1553), der Sie direkt anspricht und durch die Festung leitet (1800 Quadratmeter).

Der Clou: 27 Beamer werfen an 26 Stationen den historischen Festungsalltag an die steinernen Gemäuer. Den örtlich passenden Klang liefern die Kopfhörer, die mit Funksendern ausgestattet sind.

Sie sehen und hören Soldaten in der Wächterstube, Johann Friedrich Böttger (1682-1719) bei der Erfindung des europäischen Porzellans, den berüchtigten Räuber Lips Tullian (1675-1715) in seinem Gefängnis, erleben barocke Feste mit. Beim Donnern der Kanonen steigt sogar etwas Nebel auf.

9,3 Millionen Euro Kosten

Je nachdem, wo sich Besucher gerade aufhalten, sehen und hören sie unterschiedliche Szenerien.
Je nachdem, wo sich Besucher gerade aufhalten, sehen und hören sie unterschiedliche Szenerien.  © Thomas Türpe

"Diese Art der Kulturvermittlung ist deutschlandweit einzigartig", sagte Schlösserland-Chef Christian Striefler (55).

"Der Ort selbst wird aufgeführt", erklärt Kurator Dirk Welich (53). Der Besucher werde quasi vom bloßen Betrachter zum Zeuge einer Szenerie.

Ursprünglich war sogar geplant, Gerüche zu integrieren - wie an der historischen Klo-Nische der Wachmänner.

"Die hätten sich aber dann auch in anderen Räumen verbreitet. Darum haben wir darauf lieber verzichtet", sagt Striefler schmunzelnd.

9,3 Millionen Euro ließ sich der Freistaat die Neugestaltung der Festung "Xperience" kosten. Geöffnet ab heute (Mo-So, 10-18 Uhr), Eintritt: 10 Euro/7,50/1 Euro (bis 11 Jahre).

Historische Themen dramaturgisch bearbeitet und multimedial in Szene gesetzt: Kurator Dirk Welich (53).
Historische Themen dramaturgisch bearbeitet und multimedial in Szene gesetzt: Kurator Dirk Welich (53).  © Thomas Türpe
Hinter dieser Tür können Besucher Sachsens berüchtigten Räuber Lips Tullian (1675-1715) erleben.
Hinter dieser Tür können Besucher Sachsens berüchtigten Räuber Lips Tullian (1675-1715) erleben.  © Thomas Türpe
Hier geht's hinab in die Kasematten: Der neue Eingangs-Fahrstuhl der Festung. Die Metallhülle soll einem Kettenhemd ähneln.
Hier geht's hinab in die Kasematten: Der neue Eingangs-Fahrstuhl der Festung. Die Metallhülle soll einem Kettenhemd ähneln.  © Thomas Türpe
Hereinspaziert: Nach zwei Jahren Umbau öffnet die Festung am Samstag wieder.
Hereinspaziert: Nach zwei Jahren Umbau öffnet die Festung am Samstag wieder.  © Thomas Türpe

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