Direkt am Postplatz: Dresdens alte Festung aufgetaucht!

Dresden - Passanten an der Wallstraße haben sie schon entdeckt: Eine mächtige Mauer aus Sandsteinquadern, die da in den letzten Monaten bei Aushebungsarbeiten für das neue Geschäft- und Wohnhaus "Merkur" ans Tageslicht gekommen ist.

Ausgrabungsleiterin Susanne Schöne (42) ist seit Februar gemeinsam mit ihrem Team mit der Freilegung der Festungsmauer beschäftigt.
Ausgrabungsleiterin Susanne Schöne (42) ist seit Februar gemeinsam mit ihrem Team mit der Freilegung der Festungsmauer beschäftigt.  © Amac Garbe

Die Wand ist Teil der mächtigen, einst zehn Meter hohen Bastionärsbefestigung, die Dresden ab dem 16. Jahrhundert umschloss und fast uneinnehmbar machte.

In bis zu acht Metern Tiefe haben Archäologin Susanne Schöne (42) und ihr vierköpfiges Team das imposante Zeugnis der Renaissance-Zeit Stück für Stück freigelegt, vermessen und dokumentiert.

Der Wall ähnelt stark den Mauern der Brühlschen Terrasse. Kein Zufall - der "Balkon Europas" gehörte ebenfalls zum Festungsring. Der nun ausgegrabene Teil "ist zur Zeit der größte, zusammenhängende Abschnitt neben der Brühlschen Terrasse", so Archäologin Schöne.

Der nun gefundene Wallteil wurde flankiert von den Bastionen "Merkur" (an der Ecke zum heutigen Dr.-Külz-Ring, dort befindet sich heute ein Spielplatz) und "Saturn", gleich neben dem heutigen Postplatz. Die Anlage diente in Friedenszeiten der Repräsentation und Abschreckung, erlebte allerdings auch den Ernstfall: "Sie wurde beschossen, etwa im siebenjährigen Krieg. Bei den Grabungen am Postplatz haben wir Einschusslöcher gefunden", so Schöne.

Und wie geht's weiter? Der Festungsteil wird eingeschalt und Teil der zweigeschossigen "Merkur"-Tiefgarage - unsichtbar wie das komplette letzte Jahrhundert, als sie unter den Kellern von "Antons Martkhalle" gut konserviert war und so auch die Bombardierung 1945 gut überstanden hat.

So entstand die Bastionärsbefestigung

Kurfürst August von Sachsen (1526-1586): Unter seiner Herrschaft entstand der Festungsabschnitt, der nun freigelegt wurde.
Kurfürst August von Sachsen (1526-1586): Unter seiner Herrschaft entstand der Festungsabschnitt, der nun freigelegt wurde.  © wikipedia

Die Bas­tio­närs­be­fes­ti­gung ver­dank­te Dres­den den Kur­fürs­ten Mo­ritz (1521-1553) und sei­nem Bru­der Au­gust (1526-1586). Die exis­tie­ren­de Stadt­mau­er aus dem Mit­tel­al­ter war zu ih­rer Zeit hoff­nungs­los ver­al­tet.

Sie be­gan­nen mit dem Bau ei­ner neu­en, da­mals ul­tra­mo­der­nen Be­fes­ti­gung. Kei­ne ein­fa­che Mau­er mit Tür­men, son­dern ein mäch­ti­ger Wall­kranz mit sie­ben pfei­l­ar­ti­gen Bas­tio­nen.

Vor­bild wa­ren An­la­gen in Ita­li­en und den Nie­der­lan­den. Als die Fes­tung nach zehn­jäh­ri­ger Bau­zeit um 1555 fer­tig war, hat­te Dres­den den ers­ten Bas­ti­ons­ring im gan­zen deut­schen Reich. Ab 1812 wur­de die Fes­tung auf Ge­heiß Na­po­le­ons schritt­wei­se ge­schleift.

Der grö­ß­te, bis heu­te er­hal­te­ne Teil ist das Stück ent­lang der Elbe, be­kannt als Brühl­sche Ter­ras­se.

Auf einer Fläche von 4000 Quadratmeter direkt an der Wallstraße laufen die archäologischen Arbeiten.
Auf einer Fläche von 4000 Quadratmeter direkt an der Wallstraße laufen die archäologischen Arbeiten.  © Amac Garbe
Bernd Grützner befreit die Mauer von jahrhundertealtem Dreck. Anschließend wird alles dokumentiert.
Bernd Grützner befreit die Mauer von jahrhundertealtem Dreck. Anschließend wird alles dokumentiert.  © Amac Garbe
So sah die Festung an der heutigen Wallstraße um 1750 aus, gemalt von Hofkünstler Canaletto. Rechts ungefähr die Stelle, wo nun Teile der Mauer gefunden wurden, links im Hintergrund der Zwinger.
So sah die Festung an der heutigen Wallstraße um 1750 aus, gemalt von Hofkünstler Canaletto. Rechts ungefähr die Stelle, wo nun Teile der Mauer gefunden wurden, links im Hintergrund der Zwinger.  © wikipedia
Die akkurat gesetzten Sandsteinquader bezeugen noch heute, wie sorgfältig die Handwerker vor über 450 Jahren gearbeitet haben.
Die akkurat gesetzten Sandsteinquader bezeugen noch heute, wie sorgfältig die Handwerker vor über 450 Jahren gearbeitet haben.  © Amac Garbe

Titelfoto: Amac Garbe


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