Dresden fordert mehr Herz statt Hetze

(v. li.:) Dirk Birgel (49), DNN-Chefredakteur, Hans Müller-Steinhagen (61), Rektor der TU Dresden, Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (58, SPD), Gunda Röstel (53),  Tess Tiger, Travestiekünstler (43).
(v. li.:) Dirk Birgel (49), DNN-Chefredakteur, Hans Müller-Steinhagen (61), Rektor der TU Dresden, Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (58, SPD), Gunda Röstel (53), Tess Tiger, Travestiekünstler (43).

Von Dirk Hein

Dresden - Wenn PEGIDA am Montag einjähriges Bestehen „feiern“ will, werden die Asylgegner auf größeren öffentlichen Widerstand stoßen. Mehrere Gruppierungen haben unter dem Motto „Herz statt Hetze“ etwa zum Sternmarsch gegen die Islamfeinde aufgerufen (siehe Kasten rechts).

Schon im Vorfeld läuft eine große Netzkampagne an - mit OB Dirk Hilbert (43, FDP) als Schirmherr.
Organisiert wird der Protest durch den Verein „Dresden place-to-be“. „Wir haben Prominente gefragt, ob sie bereit sind, ihre Botschaft für Weltoffenheit und Toleranz zum Aktionsstart zu formulieren. 30 haben spontan zugesagt“, so Vereinsmitglied Hubertus Grass (56).

Die Idee: Jeder formuliert seine Aussage, egal ob witzig, sarkastisch oder skeptisch, auf ein Blatt Papier. Das Foto davon wird via Facebook oder Twitter veröffentlicht.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert.
Oberbürgermeister Dirk Hilbert.

„Davon soll ein Signal ausgehen. Unsere Hoffnung: Am Montag ist das Internet voll von Statements gegen PEGIDA und für Toleranz.“ Unterstützt wird die Aktion zum Beispiel von TU-Rektor Hans Müller-Steinhagen (61) und von Frauenkirchenpfarrer Sebastian Feydt (50).

OB Hilbert und die Fraktionschefs von CDU, Linken, Grünen und SPD verständigen sich derzeit auf eine gemeinsame Erklärung. Der Entwurf liegt der Morgenpost vor. Hilbert erklärt darin: „Über 534 000 Dresdner lassen sich nicht auf sechs Buchstaben reduzieren.

Niemand kann für sich allein in Anspruch nehmen, dass er das ganze Volk vertritt - nicht Montags und an keinem anderen Tag der Woche.“

Wird PEGIDA zum rechtsfreien Raum?

Dresden - Die wöchentlichen Demonstrationen von PEGIDA werden wieder Gegenstand der öffentlichen Debatte. Beklemmender Höhepunkt vergangenen Montag: Ein Lynch-Galgen im Demozug, „reserviert“ für Kanzlerin Angela Merkel und ihren Vize Sigmar Gabriel. Seit Staatsanwälte deswegen ermitteln, werden auch sie mit dem Tod bedroht.

Bei den Demos selbst scheint PEGIDA mittlerweile freie Hand zu haben. Zwar hat die Stadt Auflagen erlassen (Transparent-Stangen nicht über 1,50 Meter, kein Alkoholkonsum).

Aber Verstöße zu ahnden scheint aussichtslos: Bis zu 9000 Demonstranten wurden zuletzt von 276 Beamten abgesichert.

„Wenn wir einen Demonstranten wegen einer Ordnungswidrigkeit mitten aus der Menge herausholen, könnte die Lage eskalieren und es zu Tumulten kommen“, räumt Polizeisprecher Marko Laske (41) ein.

Auch fragwürdig: Ein plötzlich aufgebauter Imbissstand bei PEGIDA, an dem Demonstranten für Bratwurst Schlange stehen. Von der Stadt gibt es dafür keine Genehmigung.

Andere Händler müssen für so etwas mehrere Zulassungen vorweisen. Gilt das für PEGIDA nicht? Erst auf Presseanfrage bekommt die Stadt davon Wind. „Wir ermitteln“ heißt es.

Fotos: Dresden place-to-be (6)


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