Lahmann-Speisesaal: Gefahr gebannt, jetzt können die Handwerker kommen

Dresden - Es ist vollbracht. Der Speisesaal des Lahmann-Sanatoriums wird von einem Abstützsystem gehalten.

Die Wand des Speisesaals ist abgestützt. Der Verkehr hat wieder freie Fahrt.
Die Wand des Speisesaals ist abgestützt. Der Verkehr hat wieder freie Fahrt.  © Norbert Neumann

Trotz widrigster Umstände gelang es dem Technischen Hilfswerk bis Montagmorgen, das historische Gebäude zu sichern, an dem sich eine Wand bereits bedrohlich geneigt hatte. Seit 7 Uhr war die B 6 wieder frei. Doch wie geht's mit dem Vorzeigebau der einstigen Kuranstalt nun weiter?

"Wir haben unseren Plan eingehalten. Um 6.30 Uhr haben wir das Gebäude an das Tiefbauamt übergeben", so THW-Sprecher Ralf Mancke (49). Um die 60 Helfer waren permanent seit Freitagabend im Einsatz, in der Nacht bauten noch 40 Kräfte das vormontierte Holzstützsystem per Kran und Hebebühne am Speisesaal auf.

Massiver Schneefall hatten die Arbeiten erschwert. Es war ein Wettlauf gegen die Zeit gewesen, denn die Wand hatte sich weiter in Richtung B 6 gewölbt.

Auslöser war ein über dem Saal gelöster Binder gewesen. Erst als auch das Dach geöffnet und der gegen die Außenwand drückende Sparren abgesägt war, neigte sich die Wand zurück, wie Bauaufsichtsamtsleiterin Ursula Beckmann bestätigt.

THW-Sprecher Ralf Mancke (49) war das ganze Wochenende bei den Arbeiten am Speisesaal dabei.
THW-Sprecher Ralf Mancke (49) war das ganze Wochenende bei den Arbeiten am Speisesaal dabei.  © privat

Von Einsturzgefahr mag Bauherr Jens Hofmann (39), der den Gebäudekomplex vor gut zwei Jahren mit einem Partner der Baywobau abkaufte, indes nicht sprechen: "Das Gebäude war nicht gefährdet."

Der Statiker des Projekts, Jörg Braun, der auch die Feuerwehr alarmiert hatte, erklärt: "Es handelte sich um größere Verformungen, der Handlungsbedarf war eine Vorsichtsmaßnahme."

Regelmäßig hatte er das Gebäude kontrolliert. Am 11. Juni 2018 war bereits die Baugenehmigung erteilt worden. Seitdem "ist leider vor Ort nichts geschehen. Ein Baubeginn wurde bis dato nicht angezeigt", so Ursula Beckmann. Auch sind "eingetretene Verzögerungen" keinesfalls Fledermausvorkommen geschuldet.

Laut Bauherr Jens Hofmann wird nun "so schnell wie möglich" im Frühjahr mit dem Einbau von 14 Mietwohnungen (45 bis 140 Quadratmeter) in dem historischen Gebäude begonnen werden, wobei der Bestand wie etwa die beeindruckende Kassettendecke weitgehend erhalten bleiben soll.

Nach der Ausführungsplanung und der Ausschreibung wird derzeit mit den Firmen verhandelt, erklärt Maximilian Meixner vom Büro "ist Architektur".

Hier dinierten schon Thomas Mann und Claire Waldoff

Die historische Kassettendecke des alten Speisesaals wird mit das neue Wohnungsprojekt integriert.
Die historische Kassettendecke des alten Speisesaals wird mit das neue Wohnungsprojekt integriert.  © Landeshauptstadt Dresden

Einst war der Speisesaal von 1898 mit seinen Blattgoldverzierungen an der Holzdecke einer der Vorzeigeräume des Sanatoriums. Hier speisten schon berühmte Gäste wie der Flugzeugkonstrukteur Hugo Junkers (1859-1935), der Schriftsteller Thomas Mann (1875-1955), die Sängerin Claire Waldoff (1884-1957) oder der Operettenkomponist Paul Lincke (1866-1946).

Ob das Speisen dort selbst ein opulentes Vergnügen war, bleibt Geschmacksache. Der Naturheilkundler Johann Heinrich Lahmann (1860-1905), der das einstige Fridabad (1866 als Badekuranstalt erbaut) 1887 gekauft hatte, setzte auf vegetarische Ernährung und schuf seinen eigenen pflanzlichen Nährsalzextrakt, aus der er beispielsweise eine eigene Nährsalzschokolade kreierte.

Bis 1939 bestand das Sanatorium (36.000 Quadratmeter-Areal) mit seinen Bädern, Waldliegehallen, Sportplätzen und Behandlungsräumen.

Nach dem Krieg wurde die Familie Lahmann enteignet. Das Sanatorium wurde ein Militärkrankenhaus der sowjetischen Armee. 2011 kaufte es die Baywobau.

Die Helfer des THW kämpften mit Schneemassen.
Die Helfer des THW kämpften mit Schneemassen.  © Roland Halkasch
Johann Heinrich Lahmann kaufte die Kurbadeanstalt 1887.
Johann Heinrich Lahmann kaufte die Kurbadeanstalt 1887.  © wikipedia

Titelfoto: Norbert Neumann, privat

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