Selbstjustiz auf der Nossener Brücke: Ohrfeige nach Tempo-Streit

Dresden - Um die marode Nossener Brücke zu schützen, verhängte die Stadt im Sommer Tempo 30 auf der Strecke Richtung Löbtau (TAG24 berichtete).

Uwe K. stand am Montag vor Gericht.
Uwe K. stand am Montag vor Gericht.  © Thomas Türpe

Schon am ersten Tag gab es deshalb dort Zoff auf der Fahrbahn. Und Guzzi-Pilot Uwe K. (61) fand sich jetzt wegen Körperverletzung vorm Amtsrichter wieder.

Damals war Annekatrin L. (36) im Volkswagen auf dem täglichen Heimweg: "Ich hatte nicht auf dem Schirm, dass dort ab sofort Zone 30 war. Als der Motorradfahrer vor mir abrupt abbremste, fühlte ich mich behindert."

Die Polo-Fahrerin hupte, wich aus, setzte sich vor die Guzzi.

"Sie ist extrem knapp eingeschert", schimpfte Uwe K. "Ich hätte stürzen können. Das war wie ein Mordversuch. Ich wollte eine Entschuldigung", so der Diplom-Energietechniker.

Er setzte dem VW nach, stieg an der nächsten Ampel vom Bock, stürmte zum Auto.

Annekatrin L. verriegelte die Türen. "Er zerrte an der Tür, klappte den Spiegel um und riss am Scheibenwischer", so die Frau, die dann doch die Tür öffnete und ohne Vorwarnung eine Ohrfeige samt Platzwunde an der Lippe kassierte.

"Egal, wie das Verhalten der VW-Fahrerin war. Sie haben das nicht zu maßregeln", sagte der Richter zum Biker. "Selbstjustiz geht überhaupt nicht."

Er verdonnerte Uwe K. zu einer Geldstrafe von 900 Euro und einem Monat Fahrverbot.

Das Tempolimit auf der Nossener Brücke soll das Bauwerk vor weiteren Rissen schützen.
Das Tempolimit auf der Nossener Brücke soll das Bauwerk vor weiteren Rissen schützen.  © Steffen Füssel

Titelfoto: Thomas Türpe

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Dresden:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0