Bankräuber kam als Tourist: Erst Sightseeing, dann Überfall

Dresden - Frauenkirche, Zwinger und dann ein Bankraub: Dieser Städtetrip geriet richtig außer Kontrolle: Im Oktober 2018 setzte sich Michael B. (49) in den Zug nach Dresden. Als er kein Geld mehr hatte, überfiel er hier die Deutsche Bank in der Königsbrücker Straße. Dafür landete er Mittwoch auf der Anklagebank.

Maschinenführer Michael B. (49) überfiel auf einer Reise die Deutsche Bank.
Maschinenführer Michael B. (49) überfiel auf einer Reise die Deutsche Bank.  © Thomas Türpe

"Ich hatte bereits anderthalb Jahre keinerlei Antrieb mehr", sagte der Maschinen-Führer. "Ich bin arbeiten gegangen, habe sonst gar nichts mehr gemacht. Auch keine Briefe mehr geöffnet." So stapelten sich Rechnungen, die Schulden wuchsen. "Ich bin dann einfach geflohen", sagt Michael B.

"Nach der Arbeit habe ich eine Tasche gepackt und bin zum Bahnhof. Da stand ein Zug nach Dresden, ich bin einfach eingestiegen." Für drei Übernachtungen im Hotel reichte das Geld: "Ich habe mir die Stadt angesehen", sagt er. "Es gibt hier ja ein paar Sehenswürdigkeiten."

Das letzte Geld nutzte er allerdings, um eine Spielzeugpistole zu kaufen. Er entschied sich, die Deutsche Bank in der Königsbrücker Straße zu überfallen.

Zufällig brachte gerade zu diesem Zeitpunkt der Mitarbeiter (63) eines Ladens 25.130 Euro und 320 US-Dollar dorthin.

Die Polizei hätte Michael B. (49) wohl nie geschnappt

Mit Mundschutz, Spielzeugpistole und Papiertüte überfiel Michael B. die Bank.
Mit Mundschutz, Spielzeugpistole und Papiertüte überfiel Michael B. die Bank.  © Polizei

"Hände hoch! Das ist ein Überfall, Geld her", schrie Michael in die Bank. "Du spinnst wohl, mein Geld bekommst du nicht", antwortete der Mann vom Laden und wollte ihm die Spielzeugpistole abnehmen. Die Schalterdame (52) hielt ihn jedoch zurück, stopfte das Geld in die Tüte.

Michael nahm es, flüchtete mit dem Rad in eine Tiefgarage, zog sich dort um und floh zu Fuß weiter. "Ich habe mich dann nach ein paar Tagen in den Zug gesetzt und verschiedene Städte in Deutschland besichtigt. Als das Geld weg war, kam ich zurück nach Dresden und habe mich gestellt." Sonst wäre er wohl nie geschnappt worden. Denn die Ermittler hatten keine Spur zu ihm.

Das Gericht verurteilte ihn zu dreieinhalb Jahren Haft, auch, weil die Opfer noch heute unter dem Überfall leiden.

Hier erbeutete der Tourist mehr als 25.000 Euro.
Hier erbeutete der Tourist mehr als 25.000 Euro.  © Thomas Türpe

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