Neumarkt-Retter haben Grund zur Freude und haben noch viel vor

Dresden - Mensch Neumarkt, wie hat du dir verändert! Wo vor dreißig Jahren noch triste Hinterhof-Atmosphäre herrschte, ist heute wieder Dresdens edelste Flaniermeile - fast originalgetreu wiederhergestellt, wie sie vor der Zerstörung 1945 als barockes Juwel glänzte.

Die Neumarkt-Retter: Torsten Kulke (52), Jürgen Borisch (75) und Helfried Berndt (78) sind nur drei von Hunderten von Kämpfern für den historischen Wiederaufbau.
Die Neumarkt-Retter: Torsten Kulke (52), Jürgen Borisch (75) und Helfried Berndt (78) sind nur drei von Hunderten von Kämpfern für den historischen Wiederaufbau.  © Steffen Füssel

Zu verdanken hat Dresden das kleine Wunder Torsten Kulke (52), Chef der "Gesellschaft Historischer Neumarkt e.V., und seinen unermüdlichen Mitstreitern. Jetzt feierten die Neumarkt-Retter ihr 20-jähriges Jubiläum. Und sie haben noch viel vor.

Im April 1999 trafen sich die ersten Gleichgesinnten. Zwei Bausünden hatten sie auf die Barrikaden gebracht: Der Anbau hinter dem Coselpalais und der "Panzerkreuzer Zwinger" an der kleinen Brüdergasse.

"Man musste etwas machen", so der Vereins-Chef Kulke (52). Angefangen mit 20 Mitgliedern wuchs der Verein im zweiten Jahr bereits auf 750 an. Seither informieren sie eine breite Öffentlichkeit mit Publikationen und Versammlungen, nehmen politisch Einfluss. Kurzum: Sind unbequem.

"Wir mussten vieles verhindern, obwohl wir eigentlich nur befördern wollten", fasst es der Vereins-Vize Jürgen Bohrisch (75) zusammen.

Diesen geplanten "Gewandhaus"-Klotz (F.l.) konnten die Neumarkt-Wächter mit verhindern.
Diesen geplanten "Gewandhaus"-Klotz (F.l.) konnten die Neumarkt-Wächter mit verhindern.  © Visualisierung: www.archlab.de

So viel steht fest: Ohne den Verein sähe der Neumarkt heute anders aus: Dort, wo heute die Platanen des Grünen Gewandhauses stehen, sollte ein moderner Bau mitten auf den Neumarkt gesetzt werden.

Auch anstelle des Heinrich-Schütz-Hauses, des Köhlerschen Hauses und des Steigenberger Hotels wären moderne Bauten entstanden.

Gekämpft haben sie auch um Anerkennung: In einem Bürgerbegehren zum historischen Wiederaufbau sammelten sie dann knapp 65.000 Ja-Stimmen. 2008 wurde der Neumarkt in Brüssel von der Philippe Rotthier Stiftung als beste Rekonstruktion eines historischen Zentrums ausgezeichnet.

Auf eine Anerkennung wartete der Verein vergebens. "In 20 Jahren gab es keinen Dank von der Stadt." Beirren lassen sich die Mitglieder deshalb nicht: Das Hotel Stadt Rom, das Narrenhäusl und der Neustädter Markt warten noch auf ihr Wiedererstehen.

Stattdessen entstand die historische Neumarkt-Fassade mit Petit Bazar und Semper-Front (F.r.) neu. Davor wächst heute das "Grüne Gewandhaus" in Form mächtiger Platanen.
Stattdessen entstand die historische Neumarkt-Fassade mit Petit Bazar und Semper-Front (F.r.) neu. Davor wächst heute das "Grüne Gewandhaus" in Form mächtiger Platanen.  © Ove Landgraf

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