Geständnis! Darum schlug Torsten K. den Jugendamts-Chef blutig

Dresden - Der promovierte Elektrotechniker Torsten K. (46) spricht leise und gewählt. Er räumt dabei eine brutale Attacke auf den Chef des Dresdner Jugendamts, Claus Lippmann (65, TAG24 berichtete), ein. Davor hatte er sogar einen Dresdner Richter mit dem Tod bedroht.

Torsten Lippmann (65) wurde im Gericht der Augenhöhlenbogen gebrochen, an den Arbeitgeber des Angeklagten will er sich nie gewendet haben.
Torsten Lippmann (65) wurde im Gericht der Augenhöhlenbogen gebrochen, an den Arbeitgeber des Angeklagten will er sich nie gewendet haben.  © Steffen Füssel

Seit mehr als zehn Jahren liegt Torsten im Streit mit seiner Ex-Freundin (50), bis heute können sich beide nicht über den Umgang mit den beiden Töchtern einigen. Unzählige Male musste sich das Familiengericht mit den Klagen beschäftigen, auch zu Handgreiflichkeiten kam es.

Für Torsten geriet immer mehr der Chef des Dresdner Jugendamts in den Fokus seiner Aggressionen: "Ich hatte mich über meine Arbeitsadresse mit meinen Problemen an die Presse gewandt", sagt er. "Daraufhin gab es ein Personalgespräch, Lippmann hatte sich bei meinem Arbeitgeber gemeldet. Das fand ich inakzeptabel."

Er schrieb eine Drohmail an den Amtsleiter, verlangte von ihm einen Maßnahmenkatalog, der die Beziehung zu seinen Kindern wieder ins Lot bringt. Dafür kassierte er prompt eine Anzeige.

Das Angebot der Staatsanwaltschaft, das Verfahren gegen Zahlung von 500 Euro einzustellen, akzeptierte er nicht. Dem Strafbefehl widersprach er, drohte stattdessen, den zuständigen Richter zu töten.

Beim Verhandlungstermin traf Torsten K. schließlich vor dem Saal auf Lippmann. "Ich habe ihn mehrfach angesprochen", sagt er. "Er hat mich ignoriert. Ich habe den Schlüssel genommen und zugeschlagen."

Lippmann befindet sich noch heute in psychologischer Behandlung. Der Prozess wird fortgesetzt.

Zahl der Angriffe dramatisch gestiegen

Torsten K. (46) räumt die brutelen Schläge auf den Amtsleiter offen ein.
Torsten K. (46) räumt die brutelen Schläge auf den Amtsleiter offen ein.  © Norbert Neumann

"Unsere Arbeit ist gefährlicher geworden", sagt der Dresdner Jugendamtsleiter Claus Lippmann (65). "Nach dem Vorfall erreichten mich Nachrichten von Kollegen aus dem ganzen Bundesgebiet. Das ist eine Tendenz, die überall zu verzeichnen ist."

Tatsächlich nimmt die Gewalt im Dienst zu: Insgesamt 71 Angriffe auf Mitarbeiter hat das Rathaus im Jahr 2018 gezählt, im Jahr zuvor waren es noch 39. Dabei betrifft es keinesfalls nur die Kollegen im Außendienst: 38 der Attacken fanden im Büro oder bei einem Beratungsgespräch statt.

Auch 2019 gab es bereits elf aggressive Aktionen gegen die öffentliche Hand: Viermal traf es dabei das Jugendamt. Dabei blieb es jedoch in zwei Fällen bei Drohungen per Mail oder Telefon. Bei den anderen beiden Fällen handelt es sich um Übergriffe aggressiver Kinder im Jugendnotdienst gegen die Mitarbeiter.

Das Rathaus selbst wird mittlerweile von einem Sicherheitsdienst bestreift, Mitarbeiter werden in Deeskalations-Strategien geschult.

Titelfoto: Norbert Neumann, Steffen Füssel

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