Gewalt gegen Männer gibt es sogar in den besten Familien

Dresden - Weinender Türsteher, eingesperrter Rentner, verprügelter Firmenchef: Häusliche Gewalt gegen Männer findet statt - und zwar mitten unter uns! In allen Milieus, in den besten Familien. So die Erfahrungen des Vereins Männernetzwerk, der seit zwei Jahren Dresdens erste Männerschutzwohnung betreut.

Setzen sich für männliche Opfer häuslicher Gewalt ein: Sozialarbeiter Sascha Möckel (40, l.) vom Männernetzwerk Dresden und Enrico Damme (47) von der Landesfachstelle Männerarbeit.
Setzen sich für männliche Opfer häuslicher Gewalt ein: Sozialarbeiter Sascha Möckel (40, l.) vom Männernetzwerk Dresden und Enrico Damme (47) von der Landesfachstelle Männerarbeit.  © Petra Hornig

Es ist ein Tabuthema, ein verdrängtes Problem. Das wollen Vereinsvorstand Sascha Möckel (40) und seine Mitstreiter ändern. 70 Männer öffneten sich bereits, schilderten ihre schlimmen Erlebnisse.

"Da muss man mit sich ringen, dass man nicht den Glauben an die Menschen verliert", bedauert Möckel. "Ich frage mich, wie das jahrelang stattfinden kann, in der Gesellschaft unbeobachtet bleibt."

Möckel schildert Fälle aus Dresden. "Ein Türsteher lag mir heulend in den Armen. Seine Frau, die nur die Hälfte wiegt, unterdrückte ihn, auch mit täglichen Abwertungen. Er wusste nicht mehr ein und aus."

Es gab eine Ärztin, die ihren Mann schlug. Eine Rentnerin ließ ihren Mann nicht mehr in die Wohnung, er musste ein Jahr im Keller leben. Ein anderer Senior bekam kaum etwas zu essen.

Ein mächtiger Firmenboss wurde von seiner Frau geschlagen, war völlig machtlos.

Wenn Männer zu Opfern werden: Häusliche Gewalt geschieht mitten unter uns, kommt in allen Milieus vor.
Wenn Männer zu Opfern werden: Häusliche Gewalt geschieht mitten unter uns, kommt in allen Milieus vor.  © dpa (Symbolbild)

Wenden Frauen Gewalt an, dann häufig auf sozialer oder auch wirtschaftlicher Ebene: "Eine Frau übernahm den kompletten Freundeskreis ihres Mannes, machte ihn ständig schlecht. In einem anderen Fall wurde einfach das Geld vorenthalten", schildert Möckel.

"Nach wie vor wird von Männern eher erwartet, Härte anstatt Verletzlichkeit zu zeigen. Wir wollen es Männern ermöglichen, sich selbst als Opfer zu sehen und sich Hilfe zu suchen."

Das geht am besten in der Schutzwohnung. In den letzten zwei Jahren fanden hier insgesamt 15 Männer (19 bis 82 Jahre alt, mit insgesamt acht Kindern) Obhut (vier Zimmer bieten Platz für drei Männer mit Kindern).

Maximal ein halbes Jahr können die Gewaltopfer in der anonymen Unterkunft zur Ruhe kommen.

Die Auslastung der Wohnung betrug im Vorjahr 61 Prozent, in diesem Jahr 85 Prozent.

"Der Bedarf ist da", sagt Enrico Damme (47) von der Landesfachstelle Männerarbeit Sachsen.

Positiv: Gleichstellungsministerin Petra Köpping (60, SPD) ließ bereits Fördergelder springen, verlängerte die Pilotprojekte bis Ende 2020. Eine weitere Schutzwohnung ist in Leipzig, eine dritte in Plauen. Dammes Ziel ist es, Wohnungen auch in Görlitz und Bautzen einzurichten.


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