Weltreisende aus Dresden sammelt überall auf der Welt Müll

Dresden - Manchmal lässt sich das Leben nicht lumpen. Für Gina Gadis* (24) aus Dresden ist es gerade richtig prall. Mit dem Bachelor des Wirtschaftsingenieurwesens in der Tasche, tourt sie seit Ende 2016 erst durch Neuseeland, jetzt durch Asien.

Ein grünes XXL-Blatt verdeckt den Badeanzug: Zumindest dieser "Naturpool" auf Bali war weitgehend plastefrei.
Ein grünes XXL-Blatt verdeckt den Badeanzug: Zumindest dieser "Naturpool" auf Bali war weitgehend plastefrei.

"Weltluft schnuppern" nennt sie das auf ihrem Instagram-Account. Traumhafte Fotos von Bilderbuchstränden, exotischen Tempeln und Reisterrassen postet sie dort. Interessante, bezaubernde Menschen kreuzen ständig ihren Weg.

Und doch liegt ein kleiner Schatten über Ginas Paradies. Denn: Überall liegt Müll. "Irgendwann konnte ich nicht mehr wegschauen", sagt die smarte Abenteurerin. Sie beschloss, etwas dagegen zu tun.

Leichter gesagt als getan. Aber: Besser getan als ignoriert. Und so packten die Dresdnerin und ihre Reisefreundin Karla beim Schnorcheln auf Bali (Indonesien) einfach mal an.

Gina: "Wir haben den Müll, der vorbeikam, eingesammelt. Plötzlich fingen einige Strandbesucher an, uns zu helfen."

Auch an der kambodschanischen Küste trübt Plastikmüll das so friedlich-exotische Bild. Gina sammelt ihn ein, wo sie nur kann.
Auch an der kambodschanischen Küste trübt Plastikmüll das so friedlich-exotische Bild. Gina sammelt ihn ein, wo sie nur kann.

Eine Idee entstand. Wie wäre es, wenn man eine Art "Challenge" daraus macht?

"Man sammelt eine Tüte Müll irgendwo in der Natur, teilt ein Video oder Foto davon auf seinen sozialen Medien und nominiert dann drei Leute, dasselbe zu tun", erklärt die hübsche Dresdnerin. Ähnlich wie bei der "Icebucketchallenge", die vor ein paar Jahren weltweit der Renner war.

"The Trashback Project", auf Deutsch "Müll-zurück-Projekt" heißt die Idee. Ansprechen soll sie zuerst andere Reisende, dann aber auch die Einheimischen. Denn eines hat Gina Gadis beobachtet.

"Wann immer ich beim Warten auf Bus oder Fähre Müll einsammele, schauen mich die Menschen zuerst nur verdutzt an. Dann fängt aber IMMER mindestens einer an zu helfen."

Mit dem Zug durchs Hochland von Sri Lanka, die Nase im Wind: Hier ist die "Weltluft" noch einigermaßen rein.
Mit dem Zug durchs Hochland von Sri Lanka, die Nase im Wind: Hier ist die "Weltluft" noch einigermaßen rein.

Klar weiß die Dresdnerin, dass in den meisten Ländern, die sie bereist, das Umweltbewusstsein nicht so hoch ist wie in Deutschland. "Überall riecht es nach verbranntem Müll, Einheimische werfen Plastik aus dem fahrenden Bus, alles wird doppelt und dreifach eingepackt."

Am Straßenrand kauen die wilden Hunde dann auf Plasteflaschen rum – einfach nur traurig. "Ich versuche den Menschen zu erklären, dass diese Plastikflasche 450 Jahre hierbleibt, so lange sich niemand darum kümmert", sagt Gina und wirkt dabei eher entschlossen als entmutigt.

Auch kleine Schritte, hofft sie, führen irgendwann zum Ziel. Sie selber tut noch mehr.

Auch beim Schnorcheln fischt Gina Abfall aus dem Wasser. Leider sind die Weltmeere schon voll davon.
Auch beim Schnorcheln fischt Gina Abfall aus dem Wasser. Leider sind die Weltmeere schon voll davon.

Ob in Indonesien, Thailand oder zurzeit in Myanmar (ehemals Birma), überall versucht Gina die Betreiber von Strandhostels zu überzeugen, Rabatte für solche Gäste einzuräumen, die am Strand Müll einsammeln.

Café-Manager fragt sie, ob es auch Strohhalme aus Metall gibt. Und sie selber reist sowieso nur noch mit Brotdose, eigenem Besteck und Wasserflasche, um Plastemüll - wo immer möglich - von vornherein zu vermeiden.

"Von zwei bis drei Tüten Plastikmüll pro Woche hat sich mein Konsum auf wenige Gegenstände reduziert", freut sich Gina. Mit ihrer offenen, herzlichen Art steckt sie die Menschen in ihrem Umfeld an. Bewusstsein schaffen – darum geht es.

"Unsere Idee 'The Trashback Project' steckt noch in den Kinderschuhen, braucht aber eine gewisse Reichweite, damit es zum Selbstläufer wird", ist sich die reisende Sächsin im Klaren.

So schäbig sieht ein Strand aus, um den sich niemand kümmert. Die Dresdnerin will helfen, das Bewusstsein dafür zu ändern.
So schäbig sieht ein Strand aus, um den sich niemand kümmert. Die Dresdnerin will helfen, das Bewusstsein dafür zu ändern.

Sollte das in absehbarer Zeit passieren, könne man die so entstandene Community nutzen, um weitere Ideen für die Umwelt und gegen den Plastikmüll zu finden.

Für Gina geht die (erste große) Reise ihres Lebens in wenigen Wochen zu Ende. "Im Oktober möchte ich mein Master-Studium beginnen", sagt sie.

Es soll wieder ums Ingenieurwesen gehen, aber diesmal mit dem Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien. Reisen bildet, so viel steht mal fest.

* (selbst gewählter "Reise-Nachname")

Fast immer hilft ein Einheimischer, sobald Gina mit gutem Beispiel vorangeht. Scheinbar fehlt oft nur die Initialzündung.
Fast immer hilft ein Einheimischer, sobald Gina mit gutem Beispiel vorangeht. Scheinbar fehlt oft nur die Initialzündung.

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