Saufverbot im Brennpunkt: Hier geht das Ordnungsamt auf Alkohol-Streife!

Dresden - Der Amalie-Dietrich-Platz in Gorbitz ist ein Problemfall, ein Kriminalitäts-Schwerpunkt. Einer der Gründe: öffentliche Saufgelage. Das Rathaus will den Platz deshalb "trockenlegen", seit einem Monat gilt hier Alkoholverbot. Streifen des Gemeindlichen Vollzugsdienstes (34 Beamte) kontrollieren seitdem regelmäßig. Ein Report!

Die Ordnungsamts-Mitarbeiter Petzold (34, l.) und Sickert auf Streife in der Alkoholverbotszone.
Die Ordnungsamts-Mitarbeiter Petzold (34, l.) und Sickert auf Streife in der Alkoholverbotszone.  © Steffen Füssel

Die erste Kontrollrunde des Abends beginnt für die Beamten mit einem Suff-Pöbler. Die Ausländer wären ihm zu nah gekommen, beklagt er sich lauthals bei Dienstgruppenleiter Horn (32). Bevor die Situation eskaliert, baut sich der 1,90 Meter große Ordnungshüter vor dem Trunkenbold auf, ermahnt ihn. Dabei soll es auch bleiben. Alkohol hat der Mann zwar reichlich intus, eine Flasche hat er aber nicht dabei. "Bei solchen Leuten muss man mit allem rechnen", kommentiert Horn den Vorfall.

Weiter geht's auf dem Vorplatz der 135. Grundschule - bei 30 Grad wegen der schattenspendenden Bäume ein beliebter Rückzugsort für Trinker.

Auf einer Bank hockt ein junger Mann mit Baseball-Kappe. Zu seinen Füßen ein Bier und ein Fläschchen "Pfeffi". Die Beamten weisen ihn auf das Alkoholverbot hin, nehmen seine Personalien auf.

Er wirkt nüchtern, zeigt sich einsichtig. Das ist nicht immer so: "Ich halte hier selten einen Sonntagsplausch", so Horn.

Auf dem Weg zurück zum Einsatzwagen fordern die Ordnungshüter Jugendliche auf, ihre Füße von den Bänken zu nehmen. Auch das gehört zum Job.

Dienstag bis Sonntag herrscht am Amalie-Dietrich-Platz von 16 bis 4 Uhr striktes Alkoholverbot. Aus juristischen Gründen ist Saufen montags erlaubt.
Dienstag bis Sonntag herrscht am Amalie-Dietrich-Platz von 16 bis 4 Uhr striktes Alkoholverbot. Aus juristischen Gründen ist Saufen montags erlaubt.

Inzwischen ist es dunkel. Aus tragbaren Lautsprechern ertönt leise Musik.

An den Beeten vor dem "Club Passage" genehmigen sich vier junge Männer ein paar Bierchen. Genau an der Grenze der Verbotszone, aber im legalen Bereich. Die Ordnungshüter lassen sie gewähren.

Nicht so die drei Mädels, die den Sommerabend mit Biermixgetränken hinter der Tram-Haltestelle genießen. Sie beteuern, von dem Verbot nichts gewusst zu haben. "Es kotzt mich an", plärrt eine aus der Gruppe.

Was folgt, ist eine mündliche Verwarnung. Ordnungshüterin Petzold (34) gibt den Frauen ein Info-Blatt mit einer Karte der Verbotszone. Das gibt es künftig auch auf Englisch und Arabisch.

Die Belehrung steht derzeit im Vordergrund, erklärt Horn. Im Fokus: Stammtrinker, die täglich für Unruhe sorgen. "Seit wir hier unterwegs sind, hat sich deren Zahl reduziert."

Bis kurz nach 22 Uhr haben die Beamten acht Verstöße gegen die Verordnung festgestellt. Ordnungsgelder (20 Euro bei Erstverstoß) wurden nicht verhängt.

Die Ordnungshüter nehmen die Personalien dreier Frauen auf, die einen feuchtfröhlichen Abend verbringen wollten. Das Trio zog im Anschluss weiter.
Die Ordnungshüter nehmen die Personalien dreier Frauen auf, die einen feuchtfröhlichen Abend verbringen wollten. Das Trio zog im Anschluss weiter.  © Steffen Füssel
Der Amalie-Dietrich-Platz in Gorbitz gilt als gefährlicher Ort. Anwohner und Passanten können Ordnungswidrigkeiten melden.
Der Amalie-Dietrich-Platz in Gorbitz gilt als gefährlicher Ort. Anwohner und Passanten können Ordnungswidrigkeiten melden.  © imago images/imagebroker
Dienstgruppenleiter Horn (32, r.) und seine Kollegen mahnen einen pöbelnden Mann zu Zurückhaltung.
Dienstgruppenleiter Horn (32, r.) und seine Kollegen mahnen einen pöbelnden Mann zu Zurückhaltung.  © Steffen Füssel

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