Rechte hetzten in Dresden einen Hund auf sie: Jetzt spricht das Opfer!

TAG24-Reporterin Franziska Klemenz im Gespräch mit Awo D.
TAG24-Reporterin Franziska Klemenz im Gespräch mit Awo D.  © Eric Münch

Dresden - Hund auf Äthiopierin (19) gehetzt: Die brutale Attacke auf eine junge Flüchtlingsfrau in Gorbitz hat viele Dresdner aufgewühlt (TAG24 berichtete). Die Ermittlungen der Polizei laufen auf Hochtouren, erste Zeugen der Untat haben sich laut Staatsanwaltschaft gemeldet.

Doch was genau geschah Dienstag am Merianplatz?

Die Bisswunden an Hand und Hüfte beginnen zu verheilen. Doch der Schock sitzt noch tief. Awo D. kann noch immer nicht fassen, was ihr da angetan wurde. "Ich war auf dem Weg zu meinen Freundinnen, um meinen 19. Geburtstag zu feiern. Als ich am Merianplatz ausstieg, stand da ein Pärchen mit einem großen, schwarzen Hund. Der Mann, die dunklen, strähnigen Haare zum Zopf gebunden, brüllte mich sofort an: 'Ich will hier keine Ausländer sehen, ihr seid schmutzig.'"

Dann ging alles sehr schnell. Die Begleiterin des Hetzers ließ ihren Hund von der Leine, der sofort auf Awo zusprang. In Panik versuchte die junge Frau zu fliehen.

Awo D. (19) versuchte zu fliehen, doch der Hund holte sie ein.

Der Tatort: An der Haltestelle Merianplatz wurde die junge Frau auf dem Weg zu ihrer eigenen Geburtstagsfeier attackiert.
Der Tatort: An der Haltestelle Merianplatz wurde die junge Frau auf dem Weg zu ihrer eigenen Geburtstagsfeier attackiert.  © Ove Landgraf

Doch nach nur zwanzig Metern hatte sie der Hund mit mächtigen Sprüngen eingeholt und niedergeworfen. Das Tier verbiss sich in ihre Hüfte.

Das mutige Eingreifen einer Passantin verhinderte vermutlich Schlimmeres: Sie herrschte die Hundehalterin an, das Tier sofort zurückzunehmen. Das wirkte offenbar. Auf Kommando ließ der Hund von Awo ab. Die mutige Helferin fragte noch: "Soll ich für Sie die Polizei rufen?" Awo antwortete entschlossen: "Das will ich lieber selbst tun."

Die junge Frau hat bereits ein hartes Schicksal hinter sich. In ihrer Heimat wurden sie und ihre Familie verfolgt, weil sie sich den Nachstellungen eines Polizisten (47) widersetzt hatte.

Ihr Vater und sie wurden über Monate eingesperrt. Erst als sie zum Schein auf die Avancen des Polizisten einging, kam sie frei - und ergriff mit Hilfe von Freunden und Familie die Flucht.

"Ich verstehe nicht, wieso mich viele Menschen wegen meiner Hautfarbe schlecht behandeln"

Das Opfer ist immer noch von der Tat gezeichnet.
Das Opfer ist immer noch von der Tat gezeichnet.  © Eric Münch

Nach abenteuerlicher Odyssee erreichte sie vor drei Jahren Deutschland, ihr Vater sitzt noch immer im Kerker.

"Ich würde so gerne Krankenschwester werden", sagt Awo. Dafür besucht sie in Dresden die Abendschule, ist jetzt in der 7. Klasse. Nach der brutalen Attacke traut sie sich aber kaum noch aus ihrer Wohnung, von der Schule hat sie sich erst mal befreien lassen. "Ich verstehe nicht, wieso mich viele Menschen wegen meiner Hautfarbe so schlecht behandeln."

Am Donnerstag konnte die Polizei noch "keine Neuigkeiten präsentieren", so LKA-Sprecher Tom Bernhardt (45). Doch die Beobachtungen der Opfers könnten den Beamten weiterhelfen.

Awo: "Das Pärchen war etwa 30 Jahre alt, die Frau hatte schulterlanges, hellbraunes Haar, der Mann trug eine Bierflasche in der Hand."

"Sie floh mit ihrem Hund in der Straßenbahnlinie 7 Richtung Pennrich, er stieg danach in die Linie 2 weiter Richtung Gorbitz."


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