Justizministerin Meier: Ihr Büro ist ein Verschiebebahnhof

Dresden - Die ersten Aufregungen sind vorbei, der erste Skandal ist durch - Sachsens erste grüne Ministerin steckt im Arbeitsalltag. Doch wo waltet sie? Warum hat das Ministerium einen so langen Namen? Und was steht auf dem Schreibtisch? Ein Besuch im Büro von Katja Meier (40) - das sie zum Jahresende schon wieder verlassen muss...

Ministerin Katja Meier (40, Grüne) am Schreibtisch. Vor ihr zum echten Gebrauch: Tintenfässchen!
Ministerin Katja Meier (40, Grüne) am Schreibtisch. Vor ihr zum echten Gebrauch: Tintenfässchen!  © Eric Münch

"Das Geschirr reicht nicht mehr aus", stöhnt die Sekretärin. Es sind solch kleine Dinge, die am Rande der großen Politik passieren, wenn aus dem "Justizministerium" das "Sächsisches Staatsministerium der Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung" wird. Mehr Ressorts, mehr Leute, mehr Besprechungen. Am Telefon müssen die MitarbeiterInnen nun Luft holen, um den Titel anzusagen.

Dafür ist das mit der Anrede unkompliziert, auch wenn die Chefin erklärte Feministin ist: "Sie müssen jetzt nicht immer Frau Staatsministerin sagen. Sie können auch 'Frau Meier' sagen." Ansonsten gilt: "Ich werde als Frau Ministerin angesprochen."

Das Minister-Büro selbst ist enorm hoch. Wie das Haus, 1894 auf der Hospitalstraße erbaut, diente es einst als repräsentativer Sitz eines Gerichtspräsidenten. Ein Messingleuchter erinnert an die Zeit. Die restliche, moderne Einrichtung verströmt zurückhaltenden Schick und ist bis auf eine Ausnahme (ein Rednerpult. "Daran übe ich meine Reden") von Vorgänger Sebastian Gemkow (41, CDU).

Selbst der Schreibtisch, eine Arbeit der Gefängniswerkstatt Bautzen. Doch Gemkow will ihn gern ins sein Wissenschaftsministerium mitnehmen. "Meinen lasse ich mir auch in Bautzen machen", so Meier. "Und ein Bücherregal, das fehlt."

Bis dahin stehen die Bücher (Joachim Gauck: "Freiheit") auf dem Gemkow-Tisch, davor als Bekenntnis eine Regenbogenfahne: Meiers bessere Hälfte ist eine Frau. Auch die Wandbilder aus dem Bestand des Kunstfonds Sachsen sind noch vom Vorgänger ausgewählt, sollen aber bald durch eine eigene Auswahl ersetzt werden.

Doch bald schon heißt es wieder Abschied nehmen vom Büro: Der Dienstsitz ist verseucht (u.a. mit Naphthalin, TAG24 berichtete) und muss entkernt werden. Ab Jahresende zieht Meiers Ministerium deshalb für einige Jahre in ein Ausquartier hinterm Neustädter Bahnhof. Nach der Sanierung geht's zurück an die Hospitalstraße...

Meier, hier beim TAG24-Besuch, ist die erste grüne Ministerin Sachsens.
Meier, hier beim TAG24-Besuch, ist die erste grüne Ministerin Sachsens.  © Eric Münch
Verseucht: Das Ministerium auf der Hospitalstraße in der Dresdner Neustadt.
Verseucht: Das Ministerium auf der Hospitalstraße in der Dresdner Neustadt.  © Thomas Türpe
Der Dienstsitz ab Ende 2020 am Neustädter Bahnhof.
Der Dienstsitz ab Ende 2020 am Neustädter Bahnhof.  © Thomas Türpe

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