Darf bald keiner mehr in diesem Hochhaus wohnen?





Das markante DDR-Hochhaus am Pirnaischen Platz (offiziell Grunaer Straße 5) 
wurde von 1964 bis 1966 gebaut.
Das markante DDR-Hochhaus am Pirnaischen Platz (offiziell Grunaer Straße 5) wurde von 1964 bis 1966 gebaut.  © Eric Münch

Dresden - Ende Mai brannte es im maroden DDR-Hochhaus am Pirnaischen Platz. Gerade vor dem Hintergrund des Hochhausbrandes in London rückte die unsanierte Platte in den Fokus.

Jetzt kam heraus: Hinter den Kulissen streiten sich Stadt und Investor über Brandschutzmängel. Sogar eine Sperrung des Hochhauses droht.

Interne Schreiben belegen, dass die Stadt den Hochhaus-Eigentümer bereits am 16. Juni im Rahmen einer Anhörung über eine drohende Nutzungsuntersagung wegen Brandschutzmängeln informierte. Das wiederum löste hektische Betriebsamkeit auf Seiten der Eigentümer aus.

In einem als „Mitteilung der Landeshauptstadt Dresden“ bezeichneten Schreiben informierte die Hausverwaltung alle Mieter über geplante „Umsetzungen innerhalb des Hauses“.





In der 10. Etage wird immer mal wieder an einer neuen „Musterwohnung“ 
gearbeitet.
In der 10. Etage wird immer mal wieder an einer neuen „Musterwohnung“ gearbeitet.  © Eric Münch

Alle Mieter ab dem fünften Obergeschoss sollen in Wohnungen auf den Etagen 2 bis 4 umziehen, damit oberhalb saniert werden kann. Die Umzüge seien eine „Auflage“ des Bauaufsichtsamtes. Doch das stimmt nicht. Umgehend forderte das Amt eine Richtigstellung.

Brisant: Laut Bauaufsicht sind die Umzüge im Haus zudem „nicht geeignet, ein ausreichendes Sicherheitsniveau für die Mieter zu erzielen“.

Auf Anfrage teilte Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (40, Grüne) mit, dass eine Nutzungsuntersagung „zurzeit nicht beabsichtigt ist“, da rechtskräftig eine Art Mängelliste erlassen wurde.

„Die Abarbeitung der Mängelliste obliegt dem Eigentümer und wird durch die Bauaufsicht kontrolliert. Die Nichteinhaltung der Auflagen berechtigt zum Erlass weiterer Anordnungen und zum Einsatz von Zwangsmitteln.“

Der Eigentümer wollte sich vorerst nicht äußern. Die Mieter sind verärgert über die Umzugspläne. Kaum einer will die eigenen vier Wände verlassen, um etwa von Etage 11 in die 2. Etage umzuziehen.





Nur noch jede dritte Wohnung in dem Hochhaus ist belegt.
Nur noch jede dritte Wohnung in dem Hochhaus ist belegt.  © Eric Münch




Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (40, Grüne).
Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (40, Grüne).  © Eric Münch
Am 25. Mai brannte es in dem Hochhaus.
Am 25. Mai brannte es in dem Hochhaus.  © Eric Münch

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