Im Namen von "Sonnenstrahl": Bankkaufmann zockte gutwillige Spender ab

Dresden - Wurde er durch seine Spielsucht zum notorischen Betrüger? Auf besonders dreiste Art und Weise ergaunerte sich Thomas M. (40) fast 75.000 Euro! Nun muss sich der gelernte Bankkaufmann vor dem Dresdner Amtsgericht für 280 Betrugsfälle verantworten.

Bankkaufmann Thomas M. (40) wird zum Gerichtssaal gebracht. Der mutmaßliche Betrüger sitzt gerade eine Strafe in anderer Sache ab.
Bankkaufmann Thomas M. (40) wird zum Gerichtssaal gebracht. Der mutmaßliche Betrüger sitzt gerade eine Strafe in anderer Sache ab.  © Peter Schulze

Im November 2015 soll sich der Banker beim Verein "Sonnenstrahl", einem Förderkreis für krebskranke Kinder, an der Goetheallee vorgestellt haben. Der gebürtige Görlitzer ließ sich dort eine Bescheinigung ausstellen, um im Namen des Vereins Spenden einzusammeln, heißt es in der Anklage. Die insgesamt 1710 Euro, die er in Dresden und Radebeul bei Juwelieren oder im Hundesalon gesammelt hat, habe er für sich behalten.

Eine weitere Masche, um an Geld zu kommen: Insgesamt 16-mal soll Thomas M. Frauen auf der Straße angesprochen, sich bis zu 160 Euro von ihnen "geliehen" haben. Immer brauchte er angeblich Geld für Zugtickets zu Seminaren in Hamburg oder Köln. Etwa 2000 Euro kamen so zusammen.

Zudem habe Thomas M. zwischen Juli und November 2018 vom Konto einer Frau ohne ihr Wissen 19.670 Euro abgehoben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm außerdem vor, der Mutter einer Liebschaft 33.000 Euro aus der Wohnung geklaut zu haben. Und das ist nur ein Auszug aus der schier endlosen Anklageschrift. Insgesamt soll der gelernte Bankkaufmann fast 75.000 Euro ergaunert haben.

Thomas M. gab vor Gericht an, Schulden im fünfstelligen Euro-Bereich zu haben. Grund: Seit 15 Jahren bestimmen Sportwetten das Leben des Ex-Fußballers. Rund um die Uhr setzte er bei sogenannten Live-Wetten hohe Summen, wettete etwa auf Spiele der dritten südkoreanischen Fußball-Liga. Dabei gewann er bis zu 12.000 Euro im Monat. Verlor aber alles wieder.

Seit Anfang 2018 verbüßt er eine Haftstrafe in anderer Sache. Jetzt drohen ihm zusätzlich bis zu viereinhalb Jahre Knast. Um die Frage der Schuldfähigkeit zu überprüfen, soll jetzt ein Gutachter klären, ob bei Thomas M. eine Spielsucht vorliegt.

Die "Villa Sonnenstrahl" an der Goetheallee. Statt für krebskranke Kinder soll Thomas M. für sich selbst Spenden gesammelt haben.
Die "Villa Sonnenstrahl" an der Goetheallee. Statt für krebskranke Kinder soll Thomas M. für sich selbst Spenden gesammelt haben.  © Norbert Neumann

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