Imam sagt nach Bombenangriff auf Moschee aus: "Mein Sohn schrie: 'Die wollen uns ermorden!"

Dresden - Mit leiser Stimme sprach der Imam Hamza Turan (47) im Gericht über die Nacht des Anschlages an seiner Moschee:

Hamza Turan (re.) mit Seinem Sohn Ibrahim Ismail.
Hamza Turan (re.) mit Seinem Sohn Ibrahim Ismail.  © Roland Halkasch

"Ich hatte um 21.30 Uhr zum Gebet gerufen. Danach wartete ich im Büro auf einen Freund", so Turan, der seit Dezember 2015 in Deutschland lebte, für fünf Jahre als Imam nach Dresden entsandt wurde. "Plötzlich gab es einen sehr lauten Knall. Ich sah raus, sah Flammen, die höher waren als das Haus."

Auch die Familie, seine Frau sowie die beiden Kinder (elf und sieben Jahre alt), die sich in der Wohnung im selben Gebäude aufhielten, bekamen den Anschlag mit. "Mein Sohn kam zu mir gerannt und schrie: 'Die wollen uns ermorden'."

Im Flur sah der Imam das Ausmaß der Detonation: "Die Tür war aus den Angeln, die Flammen schlugen ins Gebäude." Er sei völlig hilflos gewesen, wusste nicht, was zu tun war, bis die Nachbarn kamen und halfen zu löschen.

"Warum tut man sowas?", fragte der Imam in den Saal. "Wir haben doch keinem was getan."

Die gesamte Familie, die nach dem Anschlag an einen unbekannten Ort zog, ist bis heute traumatisiert und in Behandlung. "Meine Kinder gehen bis heute nicht allein auf die Toilette", berichtet der Imam über den seelischen Zustand seiner Kinder.

Und nach dem Anschlag erhielten die Opfer nicht nur Beistand aus Bevölkerung und Politik. „Wir bekamen einen Brief, der mit Computer geschrieben war“, so Imam Hamza Turan. "Darin stand: 'Wir machen mit euch das selbe, wie mit den Juden 1938'."

Damit spielte der Absender offenbar gezielt auf die Reichskristallnacht an. Für die Aussage des Imams war am Dienstag extra der stellvertretende Generalkonsul Bilent Keles nach Dresden gereist (TAG224 berichtete).

Der stellvertretende Generalkonsul der Türkei, Bilent Keles, reiste am Dienstag extra zum Prozess nach Dresden.
Der stellvertretende Generalkonsul der Türkei, Bilent Keles, reiste am Dienstag extra zum Prozess nach Dresden.  © Ove Landgraf

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