In einem Jahr 320.000 Lesegeräte verkauft: Kleine Sachsen-Firma ärgert Amazon

Radebeul - Eine kleine Radebeuler Firma ärgert den Platzhirsch Amazon. Aus einer unscheinbaren Villa heraus koordiniert Pocketbook Readers Vertrieb und Wachstum des E-Book-Readers "Pocketbook". Das Lesegerät unterstützt lokale Buchhändler, versteht mehr Formate und besiegt Amazon regelmäßig in wichtigen Tests.

Geschäftsführer Enrico Müller (38) zeigt seine Pocketbooks.
Geschäftsführer Enrico Müller (38) zeigt seine Pocketbooks.  © Thomas Türpe

Kein hipper Tech-Campus, keine gläserne Fassade, lediglich ein Klingelschild weist den Weg zu Pocketbook. Dabei sind sich die meisten Fachmagazine einig: Die Geräte der Firma sind besser als die Kindle-Lesegeräte von Amazon. Obendrauf gab es jetzt noch den Red-Dot-Designpreis.

Wichtige Gründe: Nahezu jedes Format kann gelesen werden. Die "Onleihe" (geliehene E-Bücher) zum Beispiel der Staatsbibliothek ist leicht integrierbar. Romane etwa von Karl May können legal aus dem Netz auf den Reader gezogen werden.

"Unsere Geräte können ganz neu auch Comics und Mangas wiedergeben. Ein riesiger und extrem wichtiger Markt für uns", sagt Geschäftsführer Enrico Müller (38). Zusammen mit seinem Team (zehn Mitarbeiter) organisiert er aus Radebeul den Vertrieb für fast ganz Europa.

Geschäftsführer Enrico Müller (38) über die Zukunft

Die Geräte gewinnen reihenweise Test, ärgern damit zumindest Platzhirsch Amazon.
Die Geräte gewinnen reihenweise Test, ärgern damit zumindest Platzhirsch Amazon.  © Thomas Türpe

Die Zentrale sitzt in der Schweiz, Software und Technik wird in Kiew entwickelt, in China wird produziert. Ein Büro in Moskau kümmert sich um Russland. Etwa 320.000 Geräte wurden letztes Jahr verkauft.

Wichtig für alle Buchhändler: Pocketbook setzt vor allem auf inhabergeführte Buchläden. Wer dort ein Lesegerät (Preis zwischen 75 und 230 Euro) der Firma kauft, bekommt "seinen" Buchhändler auf der Titelseite angezeigt. E-Books können dann über den lokalen Händler bezogen werden.

Die wichtigsten Zukunftspläne: mehr Buchhändler als Partner gewinnen. Und: farbige E-Reader. "Die öffnen wichtige neue Märkte, etwa Fachliteratur, Schulbücher und Zeitungen", so der Radebeuler Firmenchef.

Gefertigt werden die E-Reader in China.
Gefertigt werden die E-Reader in China.  © Pocketbook

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